daß ,,... ich bitte auch, dem Gesichtspunkt Rechnung zu tragen, der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Polizeibeamter sehr viel mit politischen Fällen zu tun hatte, so daß er dadurch leichter auf den Gedanken kommen konnte, diese Anzeige zu erstatten. Er hat die Tragweite der Sache, die dann weiterrollte, nicht abschätzen können. Und so nahm dann das Schicksal seinen Lauf..." Die Rede des Verteidigers, wie öliges, träge fließendes Wasser, die stickige, trockene Luft, das Zwielicht im Saal, die feindselige Kälte der Richter- das alles legte sich schwer und bedrückend auf die Anwesenden, erzeugte ein beklemmendes Gefühl in der
Brust.
Das Pult des Verteidigers stand an der linken Saalseite, unter dem Richterpodium. Hinter dem Verteidiger standen zwei Bänke, die eine halbhohe Balustrade umgab, welche hinten an der Saalwand endete. In ihrer Mitte war eine schmale Tür.
Auf der vorderen Anklagebank saẞ Baumann, mit hängenden Schultern, die Augen auf den Fußboden gerichtet. Auf der zweiten Bank saßen Eva Wegner, Dr. Kramer, Rechtsanwalt Reichel und der Bäckermeister Möller.
Hinter Eva stand ein Gerichtsdiener in dunkelgrüner Uniform mit großen Messingknöpfen. Ein anderer lehnte neben ihm an der Balustrade. Sie hatten Eva stützen müssen, als sie sie in den Saal führten. Ihre Arme waren noch immer verbunden. Sie saẞ zusammengesunken und nahm nichts von all dem, was im Gerichtssaal vorging, in sich auf, wußte nicht, daß ihre Eltern anwesend waren.
Meister Wegner und seine Frau waren ,, als Zeugen" vorgeladen worden; wie alle anderen, die neben und hinter ihnen auf den Bänken in der Saalmitte, vor dem Richterpodium, saßen. Hier saß die Frau des Rechtsanwalts Reichel, eine schlanke,
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