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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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Wachtmeister Puschke wartete in nervöser Ungeduld. Er saß in einer Fensterecke im Tagesraum des Polizeireviers und beob- achtete die Straße, sah alle Augenblicke auf die elektrische Wanduhr.

Schon fünfundzwanzig Minuten Verspätung! Der Ernst muß völlig verrückt geworden sein! Kommt nicht zum Dienst, läßt sich beim wachhabenden Obermeister nicht entschuldigen... Das wird ihm eine Disziplinarstrafe einbringen. Und das ist das wenigste, was ihm passieren kann, dann hat er noch Glück gehabt...

Um den langen Tisch des Tagesraums saßen mehrere Beamte, unterhielten sich oder schrieben Berichte. Wie jeden Morgen warteten sie darauf, vom Obermeister zur Diensteinteilung ge- rufen zu werden. Vier von ihnen gehörten dem Bereitschafts- dienst an, als Mannschaft für plötzliche Alarme.

Ab und zu sahen sie zu Puschke hinüber, nickten sich zu, wech- selten verständnisvolle Blicke. Jeder wußte Bescheid. Baumann hatte Puschkes Anhänglichkeit und Freundschaft schlecht gelohnt. Der verdiente wirklich nicht, daß Puschke sich so um ihn sorgte. In den letzten Wochen war Baumann langsam, aber sicher ver- bummelt, und es hieß sogar, der Hauptmann habe ihn bereits verwarnt. Die Sympathie seiner Kameraden hatte er jedenfalls längst verloren. Immer eigenbrötlerisch und verschlossen, sogar barsch und unfreundlich, das wurde auch dem gemütlichsten

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