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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Baumann ging auf den Wald zu. Zweige von Sträuchern schlugen ihm ins Gesicht. Er fühlte es nicht. Er stolperte über eine Wurzel, der Hut fiel ihm aus der Hand. Er beachtete es nicht. Er ging mit schlenkernden Armen und gesenktem Kopf. Er dachte an nichts. Alle seine Gedanken waren wie ausgelöscht. Er spürte nur einen brennenden Wunsch: Weiter hinein in das Dunkel, weiter hinein...

Ein schwaches Dämmerlicht war plötzlich zu seinen Füßen. Er blieb stehen, hob den Kopf. Eine Waldlichtung, auf der nur wenige große Laubbäume standen. Ihre breiten Kronen sahen im fahlen Mondlicht wie die Kuppeln von Türmen aus. Er lehnte sich gegen einen dicken Stamm. Er tastete nach der Pistole, hielt sie lange in der Hand. Das Metall glänzte stumpf.- Einmal waren sie durch Telefonalarm zu einem Selbstmordfall gerufen worden und mit dem Überfallauto hingefahren. Der Mann hatte sich in die Schläfe geschossen. Und er blieb am Leben. Blind. Die Sehnerven waren durchschossen. Ein Kamerad vom Polizeirevier meinte, daß man sich durch den oberen Gaumen schießen müsse, um ganz sicher zu gehen, sofort tot zu sein. Da wären nämlich keine Knochen, das gehe direkt ins Hirn. Gut aussehen würde man natürlich nicht, denn die Schädeldecke platze, aber einem Selbstmörder käme es ja schließlich nicht darauf an, wie er nach­her aussähe...

Baumann schob die Sicherung der Pistole zurück, hob langsam den Arm. Er spürte den kalten, faden Geschmack des Metalls auf seiner Zunge. Die Schädeldecke würde...! Er ließ den Arm sinken, die Pistole fiel mit dumpfem Aufschlag ins Gras. Er um­klammerte den Baum mit beiden Armen, preßte sein Gesicht gegen die Rinde, stöhnte: ,, Ich kann nicht... Ich kann es nicht."

Stolpernd ging er über die Lichtung, dem Wald zu. Niedrige,

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