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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Einen ruhigen Lebensabend wollten wir hier verleben, ein Leben lang habe ich dafür gearbeitet. Im Garten wollten wir dann sitzen, die Blumen würden blühen, und Ruhe überall. In mei­nem Garten, in meinem Haus sollte das sein... Und jetzt? Ein Ausgestoßener bin ich. Ein Staatsfeind... Zeigt ihm die kalte Schulter! Verspottet ihn! Droht ihm! Er ist wehrlos, er ist uns ausgeliefert! ,,... lasse ich Sie verhaften!" lasse ich Sie verhaften!"- ,, Arbeitslosen­unterstützung? Entlassung selbst verschuldet!"- ,, Pensions­rechte? Da fehlen noch zwei Jahre!"

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Wegner stöhnte auf. Er sah die Mietsrechnung, sie lag immer noch auf dem Küchentisch, ein blauer, bedruckter Bogen Papier . Eine Drohung. Die Miete mußte bezahlt werden, sonst... Aus dem Haus gejagt werden! Wohin denn? Obdachlos? Und drinnen liegt die Frau, ahnungslos...

Wegner ging in der Küche ruhelos auf und ab. Da fiel ihm ein: Die Sparkasse! Wie konnte er das vergessen? Er konnte die Miete bezahlen! Sie hatten doch Geld auf der Sparkasse, einen Not­groschen fürs Alter.

Wegner nahm mit fliegenden Händen das Sparkassenbuch aus einer kleinen Stahlkassette. Dann sah er vorsichtig ins Schlaf­zimmer. Seine Frau schlief.

Auf der Sparkasse erwartete Wegner eine neue Enttäuschung. Als seine Nummer am Auszahlungsschalter ausgerufen wurde, erhielt er die verlangte Geldsumme nicht. Der Kassierer drehte Wegners Sparkassenbuch und die von ihm ausgefüllte Zahlungs­anweisung in den Händen.

Er sagte: Ich kann Ihnen die verlangte Summe nicht aus­zahlen. Laut Anweisung der Direktion darf ich Ihnen als Höchst­betrag nur zweihundert Mark auszahlen. Jeden Monat bis zu zweihundert Mark, nicht mehr."

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