Druckschrift 
Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen

Was war mit Eva? Auf seinen Brief, den er an das Gestapo -

Haus in Berlin geschrieben hatte, bekam er keine Antwort. Er i > mußte nach Berlin fahren, selbst an Ort und Stelle versuchen, 1 r alles aufzuklären, um seiner Tochter zu helfen. Doch solange

seine Frau krank lag, konnte er unmöglich fort. I: N Wegner verschloß diese Gedanken in seiner Brust. Er hatte a seiner Frau auch von dem Brief nach Berlin nichts gesagt. Es I n hätte sie nur stärker beunruhigt und würde ihre Genesung ver- N zögern. Ängstlich vermied er jedes Gespräch über Eva und war|

pr

froh, daß ihr Name in diesen Tagen nicht fiel. Doch das Leben mit allen seinen Verpflichtungen ging weiter.

j Die monatliche Miete für das Haus war fällig! Sie bewohnten| : ein Einfamilienhaus, die ganze Siedlung bestand aus solchen h| 5 Häusern. Monatlich mußten siebzig Mark für Zins und Amorti-| ı sation gezahlt werden, dann wurde das Haus nach zwanzig|| \ Jahren Eigentum. Wegner hatte nur noch wenige Jahre zu zahlen. N|

Was sollte nur werden? Er war jetzt arbeitslos! Mußte man

nicht zum Arbeitslosennachweis gehen und sich dort anmelden?

Zum Arbeitslosennachweis! Das Wort ließ Wegner frösteln. Für

ihn waren Arbeitslöse blasse, unterernährte Menschen in abge-

tragenen Kleidern. Er war nie arbeitslos gewesen. Nun mußte|

auch er zum Arbeitslosennachweis gehen. Das war gesetzliche h Pflicht!

\ Es war ein schwerer Gang für Wegner. Er stellte sich vor einem

. der vielen Schalter an, wartete verschüchtert, innerlich wie aus-

gehöhlt, inmitten einer langen Reihe Menschen.|

Sie müssen nach Zimmer 18, zur Neuanmeldung! sagte der I

R Schalterbeamte, ein SA-Mann in Uniform. Er schob Wegners| - Papiere durch das Schalterfenster zurück, griff gleich nach der|

Karte des nächsten.

170