ausgeräumt worden sein. Kam jemand von der Belegschaft in Frage, so konnte sich der Mann doch denken, daß der Schrank nach Betriebsschluß sicherlich keine Wertgegenstände enthielt!
Wegner stieg die schmale, eiserne Treppe zu seiner Meisterbude hoch. Die Werkstattschreiberin war noch nicht da. Er sah in die Halle hinunter, wie jeden Morgen, ein erster, prüfender Blick aus dem erhöhten Glaskasten, der nach allen Seiten freie Sicht gab. Der alte Schumann, Hilfsarbeiter und Einholer der Abteilung, fegte die Gänge zwischen den Maschinen mit einem großen Kehrbesen, sonst war noch niemand zu sehen.
Wegner nahm den Hörer vom Haustelefon, um die Werkpolizei anzuläuten und den Garderobendiebstahl zu melden, dann sah er, daß die Schublade an seinem Arbeitstisch drüben aufgezogen war. Die hatte er doch gestern abgeschlossen wie immer? Er legte den Telefonhörer auf, ging hinüber. Die Schublade war leer, war vollständig ausgeräumt! Erst jetzt sah Wegner das verschnürte Paket auf dem Tisch und den Brief daran, unter die Schnur geklemmt.
Er riẞ hastig das Kuvert auf: ,, Meister Wegner. Ihre Sachen wurden auf Anweisung der Direktion kontrolliert und zusammengepackt. Sie haben sich jeder weiteren Betätigung im Werk zu enthalten und sich nach Beginn der Bürozeit sofort bei Direktor Kraut zu melden. Zehnau- Werkpolizei."
Etwas Kaltes, Lähmendes kroch an Wegner hoch, legte sich wie ein Reifen um seine Brust. Er ließ sich in den Stuhl fallen, seine Hände, die den Brief hielten, begannen zu zittern, die Worte tanzten vor seinen Augen, die Unterschrift verschwamm, war wieder klar, zog sich erneut auseinander: Zehnau- Zeh- nau Ze- h- nau...
-
Der Chef der Werkpolizei!
108


