Es klopfte. Bevor Baumann„, Herein" rufen konnte, stand seine Wirtin im Türrahmen. Sie spielte die Erstaunte.
-
,, Ach Sie sind zu Haus? Ich wollte grade Staub wischen." Frau Schuster hatte sich schon lange vorgenommen, mit Baumann ein ernstes Wort zu reden. Seit einiger Zeit beobachtete sie ihn besorgt. Ihr ,, Staubwischen" war nur ein Vorwand, sie wollte ihren Wachtmeister endlich stellen. Der Mensch verbummelte ja vollständig. Wie sollte das enden?! Sie schloß die Tür, ging resolut auf Baumann zu, faltete die Hände mit dem Staublappen über der abstehenden Schürze. Ihre Augen hingen an der Flasche, dem Likörglas auf dem Tisch.
Baumann rührte sich nicht.
,, Finden Sie nicht, daß Sie manchmal zu viel trinken, Herr Baumann?"
Baumann schwieg, sah nicht auf.
,, Ich meine, das hält nicht mal eine Bärennatur aus. Trinken, meistens morgens erst ins Bett..."
Baumann schob seinen Stuhl schurrend zurück, ging zum Kleiderschrank, stellte sich vor den Spiegel und begann, sich den Schlips zu binden. Er sagte kein Wort.
Frau Schuster dachte nicht daran, ihre Ermahnungen so schnell zu beenden.
,, Ich glaube, ich kann mir das erlauben, Herr Baumann. Wir kennen uns doch lange genug. Ich denke bloß an Ihr Fortkommen. Denken Sie denn nicht daran, daß Sie Beamter sind? Polizeibeamter?!"
Baumann tat weiter, als sei er allein im Zimmer.
Frau Schuster schüttelte den Kopf, ihr volles rotes Gesicht war bekümmert: ,, Irgend etwas muß doch in Sie gefahren sein, Herr
Baumann?"
84


