Ihr„wir“ war für Baumann Musik.— Sie will nicht deutlicher werden. Wieder dieses Scheue, Zarte.
Er sagte schnell:„Nicht wahr? Man sehnt sich—. Sehen Sie, ich könnte gut in einem Jahr heiraten. Dann bin ich Oberwacht- meister, habe ein einigermaßen ausreichendes Einkommen, später ist man als Beamter pensionsberechtigt...“
Eva wich Baumanns Blicken aus.„Ja— das ist alles richtig“, sagte sie gedehnt.
Einen Schupobeamten, gewiß, eine gute Partie— aber den heiraten! Mit zwanzig Jahren, wo das ganze Leben noch vor mir liegt?! Sie gab sich einen Ruck und sagte: ,,Wir wollen jetzt gehen, ja? Es ist schon spät, und morgen muß man wieder frisch sein.“
Baumann rief den Kellner, zahlte und gab ihm ein reichliches Trinkgeld.„Damit Sie auch'einen guten Tag haben“, sagte er mit Gönnermiene.
Auf der Rückfahrt erzählte Baumann aus seinem Leben. Von seinen Eltern. Seine Mutter hätte ihm schon vor Jahren ‚„‚die Rich- tige“ aussuchen wollen.— Ob ich ihren Arm nehme, überlegte er, jetzt, wo doch alles viel klarer zwischen uns ist? Besser nicht, Aufdringlichkeit verletzt sie vielleicht.
Eva war einsilbig und zurückhaltend. Baumann brachte sie bis zu ihrer Straßenecke und fragte bittend:„Wann können wir wieder einen Abend zusammen sein, Fräulein Eva?“ Er sprach sie bewußt mit ihrem Vornamen an.„Es richtet sich natürlich ganz danach, wie Sie Zeit haben, ich mache mich dann schon frei.“
„Das kann ich jetzt nicht so genau sagen.“
„Na gut, wir sehen uns ja oft“, lächelte Baumann.„Also, gute Nacht. Hoffentlich hat Ihnen der Abend gefallen.“
„Doch, es war sehr nett“, sagte Eva. Sie gab Baumann die
Hand.
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