Druckschrift 
Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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,, Entschuldigen Sie vielmals, Frau Studienrat, es soll nicht wieder vorkommen. Ich werde dem Jungen gehörig Bescheid Heil Hitler ."

sagen.

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Eva ging in die Kaffeestube, Frau Möller in das Wohn­zimmer, zu ihrem Strümpfestopfen zurück. Dabei schaltete sie am Türrahmen die Ladenklingel ein. Wenn es einmal läutete, brauchte sie nicht zu kommen. Das erledigte die Eva schon mit. Nur wenn es öfter klingelte, mußte sie in den Laden. Dieser Handgriff am elektrischen Hebel war ihr in Fleisch und Blut übergegangen. Beim Hineingehen Schalter nach rechts legen, beim Herauskommen nach links, das wurde mechanisch erledigt.

Eine Zeitlang blieb der Laden leer. Es war drei Uhr. Die meisten Hausfrauen hatten ihre Einkäufe während der Vor­mittagsstunden erledigt. Erst gegen vier Uhr begann sich die Kaffeestube zu füllen. Frauen der Stadtgegend, die zwischen zwei Besorgungen ein wenig ausruhen wollten, kamen. Sie saßen und lasen in den ausliegenden Magazinen oder unterhielten sich mit Freundinnen. Ihre Zeit war genau festgelegt. Nach halb sechs kamen sie kaum noch. Die Käufer in der Stunde vor Laden­schluß waren Dienstmädchen, die letzte Besorgungen machten. Nach sieben Uhr hatte bloß noch Eva zu tun, denn dann waren nur noch die Gäste in der Kaffeestube zu bedienen. Meist waren es Pärchen, die hier ungestört plaudern wollten. Eng aneinander­geschmiegt saßen sie an den silberlackierten Tischchen, auf denen immer Blumen standen. In jüngster Zeit, seit Eva Wegner hier war, kamen oft junge Männer, Stammgäste, die sich von einer so hübschen Kellnerin gern bedienen ließen. Frau Möller machte sich darüber keine Gedanken. Sie glaubte, Eva gut zu kennen, die amüsierte sich nur über diese grünen Bengel.

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