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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Frau Möller hörte die schlürfenden Schritte ihres Mannes bis hier ins Zimmer. Sicher brachte er Ware aus der Backstube in den Laden. Jetzt blieb er an der Durchgangstür stehen, und es war, als könne sie sehen, wie er den von ihr eingeschalteten Hebel wieder zurücklegte.

Bäckermeister Heinrich Möller schob das Blech mit der letzten Ware für diesen Tag auf ein Gestell hinter dem Ladentisch. Dann öffnete er die Ladentür und stellte sich behäbig in den Türrahmen, um die Abendluft zu genießen, die kurzen Beine leicht gespreizt, den Hängebauch vorgeschoben. Er glaubte, mit seinem runden frischen Gesicht die beste Empfehlung für das Geschäft zu sein. So wie er konnte nur ein Bäckermeister aussehen, der Selbstgefertigtes verkaufte und keine Fabrikware.

Möller beugte sich leicht vor und sah in den leeren Laden nebenan, wie schon so oft in den letzten Wochen. Er malte sich zum hundertsten Male aus, wie das Café, s ein Café aussehen würde, wenn er diesen leeren Laden gemietet und die trennenden Mauern hatte durchbrechen lassen. Marmortische und Korbsessel mußten dann her. Auf dem Bürgersteig würde eine Veranda auf­gestellt werden mit Blumenkästen, Gartenstühlen und Tischen. Dann war das richtige große Café da, mit einer Kapelle, mit allem... Jawohl, er wollte mehr sein als ein Bäcker!

Er wandte sich wieder dem Straßenbild zu. Es war ihm zur Gewohnheit geworden, sich die Menschen anzusehen, ob sie wohl seine Kunden werden könnten. Die auf der Straße spielenden Kinder zählten nicht. Die kauften höchstens für einen Groschen Süßigkeiten. Auch sie kamen häufiger, seitdem Eva hier war, die sogar diese Kleinen nett bediente. Nur wenige Fußgänger beleb­ten um diese Zeit die Straße. Privatautos, Lastwagen, Radfahrer fuhren vorbei.

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