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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Die Vollstreckung des Urteils ließ lange auf sich warten. Hoffnung stieg wieder in ihm auf. Haben die Gesuche um Begnadigung vielleicht doch Erfolg gehabt? Soll er nicht vielleicht doch zu neuer wertschaffender Arbeit aufbehalten sein?

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Warum machen sie bei mir nicht voran? Mit dem Krieg kann es doch nicht mehr lange dauern. Vielleicht zieht sich meine Sache hin bis zum Einmarsch der Alliierten. Dann werde ich wieder frei, und ich kann ganz anders als bisher für den Frieden der Völker und für die Einheit der Kirche arbeiten. Dann war alles, was ich hier durchgemacht habe, nur der große Exerzitienkurs, in dem ich für meine neue Mission vorbereitet worden bin."

Die Begeisterung steigt neu in ihm auf und formt sich in die Verse:

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, Was ist's, was Du nun willst von mir, o Herr?

Als Sühnelamm geopfert wortlos leiden?

Des Rechts ein Kämpfer bis zum letzten streiten? Ich weiß es nicht sag Du mir Dein Begehr! Nur feige nicht, nicht glaubensschwach und müd! Du hast umsonst mir nicht das Herz gegeben voll Sturm und Drang und fieberndem Erleben, zum Höchsten eifernd nur, von ihm durchglüht.... Laß mich nicht länger blind!

Ich will mich Deiner Zorneshand nicht weigern, so es nur dient, die Ehre Dein zu steigern,

Ich füg' mich Deiner Führung als Dein Kind."

Aber es kam anders. Am Montag nach der Osterwoche, am 17. April 1944, um die Mittagszeit, wurde ihm vom Zuchthausgeistlichen mitgeteilt, daß er am Nachmittag enthauptet werde. Er war gerade am Briefschreiben, mit gefesselten Händen. Ruhig, wie ein alter Stoiker, nahm er die Nachricht auf, legte den Stift nieder und bat um die heilige Wegzehrung. Nach ihrem Empfang setzte er sich auf seine Pritsche nieder mit den Worten: ,, Nun, Herr Jesus, ich komme bald." Um 1/24 Uhr wurde er zur Richt­stätte des Brandenburger Zuchthauses geführt, aufrecht wie in seinen besten Tagen und mit verklärtem Antlitz. Wie einst Thomas Morus, den er so sehr verehrte, legte er mit einem Lächeln auf den Lippen den Kopf auf den Block. Sein letztes Wort war: ,, Vater, in Deine Hände gebe ich meinen Geist." Ein diensttuender Beamter berichtete nachher einem Bekannten: ,, So habe ich in meiner ganzen Tätigkeit noch keinen sterben sehen." Ungefähr um dieselbe Zeit beteten die Schwestern im Mutterhaus, ohne es zu wissen, die Sterbegebete und sangen dann, sei­nem Wunsche entsprechend, das Te Deum.

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