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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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das kurzatmige Flattern der Krähen. Und wenn der Gegensatz zwischen der wunderbaren Freiheit dort droben in den Lüften und unserem Sklaventum auch manchmal den Kopf sprengen wollte, so wußte ich es doch immer aufs neue und sagte es den Kameradinnen: Derselbe, der es machte, daß die Vögel über uns in Freiheit sich regen, der kann auch uns Gefangenen die Befreiung schenken, sobald er es will. Derselbe, der die jungen Blüten auf den ärmlichen Rabatten des Lagerplatzes in schimmernde Farben klei­dete, vermag auch unseren versehrten Leibern Gesundheit und erwünschte Kleidung zu geben, sobald er es will.

Zu den Gefangenen gehören Träume, wie man aus den biblischen Ge­schichten von Joseph und Daniel weiß. Ich war in den Geruch gekommen, daß ich ,, Träume deuten könne", und so brachten sie mir ihre nächtlichen Gesichte Ihre ausgesprochene oder unausgesprochene Frage dabei war im­mer: Bedeutet der Traum Gutes oder Schlechtes? werde ich heimkommen oder nicht? Denn Befreiung, Heimkehr war der erste und letzte Gedanke der gefangenen Frauen. Ich fragte sie manchmal scherzend: ,, Könnt ihr denn schon heim? Ich habe hier noch nicht ausgelernt". Denen, die ihren Traum vortrugen, sagte ich zunächst, ich hätte nie ein Traumbuch studiert, aber ich würde glauben, daß Gott durch alle Dinge, also auch durch die Träume, zu denen sprechen will, die Jesus Christus lieb haben. Deshalb würde ich ihnen gerne sagen, was mir, meist am nächsten Morgen beim Aufwachen, dazu einfiele. Einmal habe ich einem gebildeten Mädchen, um den tragischen Ernst ihres Traumes zu mildern, scherzend drei Deutungen angeboten, eine im Sinne des Völkischen Beobachters, eine im Sinne der Frankfurter Zeitung , eine im Sinne der Bibel; unsere Gedanken aber blie­ben bei der dritten haften. Ich glaubte, diese Sehnsuchtsrufe der Verknech­teten, wenn sie zu mir drangen, um Christi willen nicht unbeantwortet lassen zu dürfen, sondern, soweit es mir geschenkt wurde, den Ton ihrer Schmerzen dem Akkord der göttlichen Liebe zuordnen zu sollen. Da saßen wir abends eng gedrängt auf den Rändern unserer Pritschen und suchten das Ungeziefer aus unserer Kleidung; an uns vorbei kletterten sie zu den oberen Betten, traten uns dabei unversehens auf den Arm oder ins Ge­sicht, von oben baumelten die Beine und Wäschestücke herunter; schräge, letzte Sonnenstrahlen drangen von außen durch die Fenster. Manche schau­ten schweigend, abgekehrt hinaus in die sich verschleiernde Ferne. ,, Mir träumte", sagte eine alte Frau ,,, ich lag hier in der Baracke, sie war aber viel größer, und ich war rings umgeben von unzähligen Rosenblüten

bedeutet das Gutes?" ,, Rosen", sagte ich ihr und den anderen, die zu­hörten ,,, das Zeichen der Schönheit, der Freude und der Liebe. Rosen, so sagt die Legende, trug die heilige Elisabeth im Arm, als sie zu den Kran­ken und Armen ging, und ihr Mann, der Landgraf von Thüringen, ihr das

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