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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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geschriebene, schwer entzifferbare Entwurf zum ersten Teil. Darin bezeichnet Dr. Feurstein den Weltkrieg mit seinem Übermaß an Grausamkeit, Leiden und Anforderungen geradewegs als Wahnsinn. Während jedes höher orga­nisierte Tier seine Art schone, töte der Mensch seine eigenen Artgenossen. Es sei ein einziger blutiger Hohn auf die Weihnachtsbotschaft vom ewigen Frieden. Dahin führe also der Abfall von Gott, und so müsse die Ge­schichte verlaufen, wenn der Mensch, das große Wagnis der Schöpfung, in Widerstreit seiner Triebverhaftung gegen den Geist zum Standpunkt des Raubtieres herabsinkt: ich bin stärker als du und du bist fetter, also fresse ich dich! Dann nahm die Ansprache Bezug auf die kurz zu­vor gefallene Drohung Hitlers gegen eine mögliche Erhebung unter religiöser Tarnung. Der Prediger schloß eine gewaltsame Revolution für den überzeugten Katholiken aus. Er forderte unter Hinweis auf Römer­brief 13, 4 zur Hochachtung vor dem Staatsoberhaupt auf und zum Gebet für den Führer, daß

,, er sich auf der Höhe seiner Aufgabe halte, daß er in Ehrfurcht stehe vor den Gesetzen Gottes, vor dem Rechte seiner heiligen Kirche, vor dem ungeschriebenen Rechte jedes Volkes und vor der persönlichen Freiheit jedes Menschen."

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Im zweiten Teil er sei nach der Bezeugung des Vikars, der die Predigt mitanhörte, wiedergegeben verabschiedete sich Dr. Feurstein von seinen schönen Glocken, die, wie er prophezeite, nie mehr den Frieden einläuten würden. Er spricht über die Schmach und Schande des Gewissensterrors, dem immer mehr Menschen erliegen müßten, über die Kirchenverfolgung, den Priesterhaß und Klostersturm, über die Ermordung von unschuldigen, wehr­losen Menschen, von Krüppeln und Schwachsinnigen, und gab die damalige Zahl der so Beseitigten mit 114 Million im Altreich an. Er geißelte die Vergottung der Rasse und die Verdrängung alles Religiösen aus der Er­ziehung in Schule und Öffentlichkeit.

Verständlich, daß die Predigt großes Aufsehen erregte. Die Partei und ihr Anhang schimpfte und drohte, die Getreuen fürchteten um ihren verehrten Stadtpfarrer. Er selbst behielt die Gelassenheit erfüllter Pflicht. Der be­stürzten Haushälterin erwiderte er beim Heimkommen etwa so, einer habe mal die Wahrheit sagen müssen, das sei nun er, und wenn es ihm den Kopf koste. Es war denn auch nicht zu erwarten, einen solch enthüllenden An­griff werde die Gestapo hinnehmen. Am Dreikönigstag holte sie Dr. Feur­stein zur Vernehmung aufs Rathaus. Dort diktierte er seine gehaltene Pre­digt zu Protokoll. Er begnügte sich nicht damit. Mündlich erläuterte und erweiterte er noch seine Anklage gegen das gottlose System. Auf die Frage des Beamten: ,, Nicht wahr, Herr Pfarrer, wenn auch manches Wort richtig

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