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Herzen. Meine Schutzbefohlenen standen im Alter von siebzehn bis siebzig Jahren. Manche aus ihnen hatte ihr silbernes Dirnenjubiläum schon gefeiert, was sie mir stolz erklärten. Und die Jüngeren? Wenn sie ihre Lebens- und Leidensgeschichten erzählten, mir berichteten aus ihrer fried- und freudlosen Kindheit und Jugend. Kinder von Dirnen, die nie den Vater gekannt haben oder deren Vater ein Zuhälter und Zuchthäusler war, die mit zwölf Jahren schon auf die Straße getrieben wurden, um Geld zu verdienen, genau auf die gleiche Art wie ihre Mütter, die Dirda ergriff mich tiefes Erbarmen und eine große Liebe zu ihnen Ich konnte manchmal nicht anders, als diese Ausgestoßenen der menschlichen Gesellschaft, an denen vielleicht auch die Caritas gänzlich versagte, an mich zu drücken. Es trieb mich, einen Teil dessen gutzumachen, was Menschen, Gemeinschaft und Staat an ihnen gesündigt und verbrochen hatten. Um ihre Seelen habe ich mit Gott gerungen. Häufig saß ich nachts auf den Pritschen der Kranken, die sich in schweren Anfällen wanden, schaute in ihre gramzerfurchten, harten Leidensgesichter, hielt ihnen bei schweren Krämpfen die Hände fest, beschwichtigte und
tröstete sie.
Da war die kleine Maria. Sie hatte den Schmutz der Großstadt durchlebt, und der zarte Körper war bei ihren 25 Jahren schon ganz verbraucht. Tagsüber mußte sie schwerste Außenarbeit verrichten und lag fast Abend für Abend in bebenden Krämpfen. Ich konnte ihr nur mit unseren Handtüchern kalte Umschläge machen und meine Hand auf die fieberheiße Stirn legen. Medikamente standen nicht zur Verfügung. Ging ich spät am Abend noch ins Revier, um wenigstens für die schwersten Fälle etwas Hilfe zu erbitten, wurde ich oft genug mit Ohrfeigen und Fuẞtritten hinausbefördert. ,, Laß sie verrecken, die alten Schweine!", lautete die unmenschliche Antwort der SS - Ärzte. Glücklich war ich immer, wenn ich die kleine Häftlingspflegerin Gerda antraf, die mir heimlich ein Herz- oder Schlafmittel zusteckte. Diese Gerda aus Leipzig hat viel Gutes für die kranken Häftlinge getan. Aber ich erzählte ja von Maria. Wenn ich in den Nächten bei ihr war und sie nach den Anfällen wieder zu sich kam, fragte sie mich, die ich mit gefalteten Händen auf ihrer Pritsche saẞ: ,, Nanda, betest Du? Glaubst Du denn, daß es einen Gott gibt, der sich meiner noch erbarmt?" Ich erzählte ihr viel von Gott und seiner grenzenlosen, barmherzigen Liebe, sprach ihr von Maria Magdalena , von Margarita von Cortona, deren Lebensgeschichte mich so stark beeindruckt hatte, berichtete ihr von dieser großen Liebenden und Büßenden, die von der Sinnenliebe durch läuternde Buße zur Gottesliebe gelangte. Aufmerksam hörte Maria zu, und schon nach einigen Wochen betete sie gemeinsam mit mir. Viele kleine Stoßgebetchen habe ich ihr beigebracht. Schreckliche Ver
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