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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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ministerium nach Berlin ging, erwies sich als völlig grundlos. Daher kamen wir auch nicht, wie uns anfänglich gesagt wurde, ins Elberfelder Gerichts- gefängnis. Wir waren beide darüber froh, daß wir nicht wegen irgend- welcher Ungeschicklichkeiten bestraft wurden, sondern einzig wegen des Zeugnisses Christi. Am schwersten belastete uns beide unser Eintreten für die Juden. Für sie hatte sich unser Sohn seit Jahren in brennender Her- zensnot und erfinderischer Fürsorge, selbst mit Lebensgefahr, eingesetzt. Wir konnten uns über das verständigen, was wir bei der Gestapo über unsere Stellung zur Judenfrage zu Protokoll geben sollten; unabhängig voneinander kamen wir hierbei zu den gleichen Grundsätzen von der Hei- ligen Schrift her. Vor allem wurde uns Römer 11, 15 klar mit dem Wort des Apostels von den Juden:Denn so ihre Verwerfung der Welt Versöhnung ist, was wird ihre Annahme an- deresseinals Leben von den Toten? Im übrigen wurden wir auch darin eins, was es heißt:Gott übt Gnad auch im Gericht, das ist meine Zuversicht! Wie ergeben Helmut sein Schicksal in die Hand Gottes legte, leuchtet aus den Worten hervor, die er auf einen hinausge- schickten Zettel geschrieben hat:Was wird, dürfen wir dem getrost überlassen, der uns bis heute jeden Tag bewiesen hat seine väterliche Güte und göttliche Allmacht. Er sei gelobt allein!

Am 12. November wurde uns wider alles Erwarten eröffnet, es gehe für uns beide am folgenden Tage nach Dachau . Eine treue Freundin aus der Gemeinde, die es immer wieder mit unserer Schwiegertochter gewagt hatte, uns ein wenig zu versorgen, gab uns Proviant für die Reise mit, dar- unter ein Fläschchen Wein. In der Nacht feierten wir still beide zusammen das Mahl des Herrn. Wir sprachen miteinander das Abendmahlsformular unserer Gemeinde, so gut wir es auswendig konnten: zum Schluß legte ich Helmut segnend die Hände auf, ohne zu ahnen, daß es die Einsegnung zum Tode war. Beim Gefangenentransport nach Dachau kamen wir am Sonntag durch die Stadt Augsburg . Plötzlich stand eine Jugendhelferin vor uns. die wir im Allgäu kennengelernt hatten. Ihr konnten wir noch kurze Grüße an meine Frau mitgeben. mit den Worten:Auf Wiedersehen beim Herrn Christus! Vom Bahnhof Dachau zogen wir unter Gesang von Psal- men und Liedern hinter den Beamten her. Beim Eingang ins Lager dach- ten wir an den bayrischen Pfarrer Steinbauer, der einst durch dasselbe Tor schritt und dabei fröhlich sagte:Nun solls mich wundern, wie der himm- lische Vater mich da wieder herausbringt! Er ist wieder freigeworden. Auch ich wurde wieder frei. Von unserem Helmut kam freilich nur die

Aschenurne heraus. Gleich am ersten Tage bekamen wir eine abscheuliche Gefangenenkleidung. Wir sagten uns, es sei die Uniform des Barabbas, die der Herr vor uns

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