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zu singen inmitten so vieler Gefesselter, Gequälter, Blutiggeschlagener und zum Tode Verurteilter, einer Brüderschaft im Leid, doch gewiß auch in der Gnade. Heute verstehe ich es, wenn Heilige über das Innewerden der Güte Gottes weinten, in Glück und Seligkeit gestillten Hungers. Ach, dies große Sakrament des Brotes ist wirklich die Kraft, die uns hält und rüstet, auch Schweres zu bestehen, selbst den Haß, der aus der Feindschaft zu Gott erglüht. Und Du darfst glauben: dieser Haß wehte heiß und sengend durch die Gefängnisse der Gestapo . Doch um so sieghafter überwindet der Geist Gottes alle Tücke verblendeter Herzen: Inmitten des Tobens errichtet der Herr Sein Zelt. Er stärkt die Seinen buchstäblich mit des Weizens Mark und mit dem Wasser aus Seinem Felsen. Staune und bete an, mein Kind: bis zum Tage meiner Befreiung war meine arme, so ganz und gar verwohnte Zelle das Zelt des Herrn! Priesterliche Freunde und verstehende, helfende Frauen sorgten in rührender Treue, daß das heilige Brot uns nicht fehlte, auch nicht einen einzigen Tag. Kannst Du ermessen, was dies bedeutet in der Todesbereitschaft während so vieler Bombenangriffe eingeschlossen in der engen Zelle und in der doppelten Todesbereitschaft aus der Art dieser politischen Gefängnisse? Jene Freunde also brachten jede Woche aus ihrem eigenen Opfer die Gaben ihrer Treue. Und mit dem Brot für den Leib auch das, das der Herr unseren Seelen schenkt. Doch dies läßt sich nur ganz schlicht sagen: zwischen zwei Scheiben getrockneten Brotes leuchten weiße Hostien, dabei ein kleines Papier mit dem Christuszeichen! ,, Solches tut die Liebe!" steht irgendwo bei Romano Guardini über die Eucharistie. Was ich er lebte, erschien mir ganz wie damals, als der Herr seinen Jüngern erschien nach seiner Auferstehung. Ungehemmt durch Mauern und Türen! Und wie den Emmausjüngern, so ungefähr erging es den sonst so scharfen und durch berufsmäßiges Mißtrauen geübten Augen der Gestapo : sie durchsuchten zwar alle Päckchen, die von draußen hereingereicht wurden, aufs genaueste, indes ,, sie erkannten Ihn nicht". Wir aber in den Zellen, wir mit unserem Kummer und unserer Not, wir erkannten Ihn als unsern Herrn und als den erbarmungsreichen Tröster. Denn jene kleinen Scheiben weißen Brotes gehörten nicht mir allein. Viele waren ja, die da hungerten und dürsteten. Und so brach ich immer mit meinen armen Händen das heilige Brot und gab es weiter in die Zellen der einsamen Not, damit uns allen Hilfe würde aus dem großen Geheimnis. Ein Kommunist war es, der das Sakrament in die Zellen weitertrug, ein prächtiger Mensch, der nach zwei Jahren politischer Zuchthausstrafe in diesem Hause der Unmenschlichkeit das Amt des Kalfaktors, des Bedieners der Gefangenen, geradezu in der Weise eines Jüngers christlicher Liebe verwaltete. Er wird gewiß einmal in Gottes Arme laufen, und ich bete jeden Tag, daß
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