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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Deiner Gnade... Und sicher ist es Dein Sakrament, mit dem Du sein Herz bereitet hast, um es an Deines zu ziehen... Wir können nur in Dank und Freude... jetzt beim Abschied erneut ihn Dir ans Herz legen. Wir seben ihn Dir ganz und ohne Vorbehalt und ohne Wünsche des eigenen Elternherzens frei; wir wollen ihn Dir in Deine liebende Heilandshand zurückgeben mit dem stammelnden Dank unserer Herzen. Wie Abraham, ja! Auch zum Opfer, wenn Du es willst. Denn willst Du ihn. so ruft ihn ja Deine Liebe zur letzten Erfüllung zu Dir in Deine selige Ewigkeit.

Brief vom 25. März 1945(Palmsonntag) An die Frau

...Die strahlende Helle der Liturgie dieses Palmentages reicht vom Alle- luja der jubelnden Kinder über die Trauer und Todesnot des Herrn, der Sein Leiden vor der betenden Seele hat, hinüber zur Glorie der Aufer- stehung...

Einmal, wie es Gottes Wille ist, geht auch all dies Schreckliche zu Ende. Wir wollen, wenn wir unter den Überlebenden sein werden, mit Mut, mit Würde und mit selbstloser Liebe von neuem anfangen, zu trauen und zu bauen. Das österliche Alleluja dieses Leidensjahres soll so he!] auf unsern Lippen liegen wie in Zeiten äußeren Glücks, weil wir hinter Tod und Leıd die Gewißheit seliger Auferstehung und der Ewigkeit sehen, die ewige Heimat, in der nicht mehr Schmerz ist und Trauer und jede Träne ge- trocknet.

Brief zum ersten Fronleichnamstag nach wiedergewonnener Freiheit an die Tochter

...und Dich selbst, mein liebes Kind, hatte der Herr auserwählt, mir sein Erbarmen zu offenbaren: damals, an der Vigil von Weihnachten , kamst Du zu mir in mein Gefängnis. So grüßtest Du mich Staunenden: Nun kannst Du, lieber Vater, mit Ihm Weihnachten feiern. Mit einem schlichten Wort, das mir enthüllte, was es dem armen, ahnungslos auf uns aufpassenden Gestapobeamten verhüllte, legtest Du mir das lange Monate entbehrte Sakrament in die Hand. Kein Priester durfte ja es sei denn als Gefangener! die Düsternis dieses Gemäuers, wahrlich

einer Stätte srauenvollen Wütens dämonischer Mächte gegen meist schuld- lose Menschen, betreten! Der aber durch geschlossene Türen einst zu sei- nen erschrockenen Jüngern trat, besiegt auch heute noch alle Bosheit. So kam er durch Dich. durch Dein mutiges Wagen zu mir, und ich feierte sein Kommen in der Krippe mit frohem Herzen. Ganz gewiß:In dulei jubilo erklang mir noch nie so innig wie in dieser Gefängnisweihnacht in Moabit , da ich einfach nicht aufhören mochte, die alten Krippenlieder

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