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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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konnte ja der Gestapo nicht verborgen bleiben, dieses Leben, das der be­freundete Pfarrer bei der Trauerfeier am 11. Juni 1945 auf dem Doro­theenstädtischen Friedhof zu Berlin in die Worte faßte: ,, Wann kam einer vergeblich zu Friedrich Justus Perels ? Vom Morgen bis zum Abend ließ er sich in Anspruch nehmen und machte Wege bis zur Erschöpfung, um Gefangenen die Freiheit zu verschaffen, Angehörigen von KZ.- Leuten zu helfen, Pfarrfrauen zu beraten, Juden ihr Los zu erleichtern, sie zu ver. stecken oder ihnen zur Flucht zu verhelfen, der Kirche Möglichkeiten zum Wirken zu schaffen. Was sind wir ihm doch Dank schuldig?" Seine Freunde versuchten, diese Dankesschuld ihm gegenüber abzutragen. Zur Vorbereitung der Verteidigung konnten wir leider nichts tun, da der Gerichtstermin wider Erwarten plötzlich stattfand. Aber nach dem Spruch des Todesurteils taten wir alles, wie auch Perels selbst und seine Frau die größten Anstrengungen machten. Wir taten manchen gefährlichen Weg, um die Vollstreckung hinauszuschieben. Mit nervöser Teilnahme verfolgten wir den Weg der Feinde auf Berlin , wo er mit seinen Freunden im Gefängnis saẞ. Immer wieder bewegte uns die bange Frage: Wird der Feind eher in Berlin sein, als die SS. oder die Vollstreckungsbehörde zugreifen werden? Es war, wie wenn man an einem Wettlauf zwischen den Russen und der SS. teilnahm. Und dann geschah doch das Entsetzliche: Als der Russe schon in Berlin kämpfte, wurde Perels mit seinen Freunden am 22. April 1945 von starkbewaffneter SS. aus dem Gefängnis herausgeholt und in den Trümmern Berlins meuchlings ermordet. Seine Sterbeurkunde enthält die grausige, nüchterne Tatsache: ,, Auf dem Gelände des Lehrter Bahnhofes tot aufgefunden".

Es richtet uns die Gewißheit auf, daß Perels getrost in den Tod ging, als Zeuge für die Kraft, die Gott dem Menschen gibt, wenn er sich ganz auf ihn verläßt, wenn er Christus ,, nachfolgt". Nicht von ungefähr las Perels im Gefängnis mit Vorliebe das Büchlein ,, Die Nachfolge Christi" von Tho mas a Kempis . Aus ihm schöpfte er Kraft und Trost. Für seine Frau hat er darin die Stellen angestrichen, die ihm lieb und wert waren. Wie oft mag er das angestrichene Gebet des frommen Katholiken nachgebetet ha­ben: Mein Gott, entferne dich nicht von mir, mein Gott, sei auf meine Hilfe bedacht! Denn vielerlei Gedanken sind in mir aufgeschrieben, und große Schrecken ängstigen meine Seele. Wie werde ich unverletzt durch sie hindurchkommen, wie sie durchbrechen?" Man liest die angestrichenen ,, Betrachtungen des Todes" in dem Büchlein, als seien es Perels ' eigene Worte: Wenn es schrecklich ist, zu sterben, so ist es vielleicht noch viel gefährlicher, länger zu leben... Halte Dich für einen Fremdling und Gast auf dieser Erde, den das Treiben der Welt nichts angeht. Bewahre Dein Herz frei von dieser Welt und zu Gott erhoben, denn Du hast hier keine

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