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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Wolfgang war bewegt. Die Wandlung, die er beim Bruder lange erwartet hatte, war eingetreten. Sie hatte das Innerste seines Wesens aufgewühlt. Er lächelte und reichte ihm die Hand.

,, Nun aber wollen wir nicht länger von diesen alten Dingen sprechen, Frank!" rief er gutgelaunt aus und gab sich Mühe, als der alte zu erscheinen. ,, Du willst die Stadt verlassen, sagst du? Was hat die Uniform zu bedeuten?"

,, Ich reise an die Front", antwortete Fabian, indem er auf­atmete. Zum erstenmal glitt ein unmerkliches Lächeln der Er­leichterung über seine verhärmten, harten Züge.

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Wolfgang suchte den Sinn des erleichterten Lächelns zu deuten und schwieg einen Augenblick. ,, An die Front willst du?" fragte er erstaunt. ,, Was in aller Welt willst du nun noch an der Front? Jetzt, da Deutschland nach langer Finsternis endlich der Freiheit und einer besseren Zukunft entgegengeht, willst du uns verlassen?" Fabian senkte den Blick zu Boden. Er erwiderte nichts. Wolfgang trat einen Schritt näher und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er schüttelte den Kopf. ,, Laß es dir nochmals durch den Kopf gehen, hörst du? Glaubst du wirklich, daß all das Unheil, das ihr über die Welt brachtet, mit einer romantischen Geste gesühnt werden kann?"

Einen Augenblick zuckte Fabian zusammen, er warf einen raschen Blick auf Wolfgang.

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,, Romantische Geste nennst du es?" sagte er langsam und leise. Dann knöpfte er seinen Mantel zu. ,, In einer Stunde geht mein Zug", rief er. Ich bin nur gekommen, um dich noch einmal zu sehen, Wolfgang." Er streckte dem Bruder die Hand hin und schien es plötzlich sehr eilig zu haben.

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,, Lebe wohl!" sagte er, während er Wolfgangs Hand festhielt und ihm fest in die Augen blickte. ,, Wir werden uns wohl nicht wiedersehen in diesem Leben!"

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Wolfgang verwirrte sein eigentümliches Gebaren, und er lachte verlegen auf. ,, Das wollen wir nicht hoffen!" rief er aus, während er den Bruder zur Türe geleitete. ,, Ich weiß, ich habe nicht die Macht, dich heute zurückzuhalten", setzte er mit unsicherer Stimme hinzu. ,, Aber höre, willst du dich nicht auch von Christa verabschieden?"

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