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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Sie wäre verzweifelt am deutschen Volke, wenn es nicht immer noch viele Menschen, oh, gar nicht wenige, gegeben hätte, die sich in ihrem Wesen nicht im mindesten verändert hatten. Sie war beglückt, daß Frau Beate Lerche- Schellhammer und Christa ganz wie in alten Zeiten zu ihnen nach Amselwies hinauskamen. Jede Woche holte Christa sie mit ihrem Wagen von der Schule ab, um mit ihr stundenlang spazierenzufahren, damit ,, sie etwas an die frische Luft käme und nicht trübselig werde". Professor Wolfgang Fabian stellte sich wie früher in ,, Amsel" ein. Dazu kam später als regelmäßiger Gast Lehrer Gleichen, um mit Papa Schach zu spielen. Gleichen hatte auch ihr das Schachspiel bei­gebracht, und es war beglückend für sie, zu sehen, wie der schweigsame und düstere Mann allmählich aus sich herausging und ihr zuletzt unbegrenztes Vertrauen schenkte. Ach, er er­zählte ihr tausend Dinge, von denen sie sonst nie etwas erfahren hätte! Wie sollte sie etwas ahnen von der ungeheuren Korrup­tion bei der Partei, von ihrer schamlosen Verlogenheit? Wie sollte sie etwas wissen von den ungeheuren Kräften, die gegen Deutschland im Kampfe standen, von den riesigen Flotten- und Luftgeschwadern, von den Armeen? Gleichen wußte alles und unterrichtete sie von allem. Seine kranke Frau lag im Bett und hörte Tag und Nacht die ausländischen Sender! Marion war wie berauscht, als sie vernahm, daß Millionen Deutscher die Partei wie die Pest verabscheuten. Gleichen selbst haßte das braune Ge­sindel mit einem abgründigen Fanatismus, der selbst den Marions übertraf. ,, Mut und Geduld, Geduld und Mut, Fräulein Marion!" sagte er. ,, Geben Sie acht, die ganze Welt wird sich gegen diese Sippe von Hochstaplern erheben!" Es gab also auch solche Deutsche ! Marion war beseligt, daß es auch solche Deutsche gab. Zur Zeit war sie tief unglücklich, daß Gleichen trotz seiner er­grauten Haare ins Feld rücken mußte. Jede Woche machte sie bei der leidenden Frau Gleichen Besuch und verstand sich präch­tig mit ihr.

Nein, es war nicht ganz so hoffnungslos! Die Gärtner und Bauern von Amselwies waren gleich freundlich und gefällig wie

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