Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
397
Einzelbild herunterladen

der Kantine

Brot. Die sspülen des Aborträume Schweinerei

o es einiger

oten waren oll dünner

stillen. Keine sie keinerle abgeschnit

sicherlich i es brauchte reunde hin brauchten verdächtig

brochen, si er Partei an setzt mußte

sungen, aber de die Stube gehen. Fra

Beinen, die chel herab

verschoben"

rischen Redensarten zu ihrem Termin. Frau Beate saß völlig teil­nahmslos den Tag über in der Nähstube und wurde erst wieder richtig wach, als Frau Lukasch lärmend von ihrem Termin zu­rückkam und große Aufregung in der Zelle herrschte.

Frau Lukasch war sehr aufgeräumt. Seit langer Zeit hatte sie wieder Menschen und etwas Leben gesehen, und dazu hatte sie noch den Gerichtshof zum Lachen gebracht, was für sie eine wahre Erquickung bedeutete. Als sie erzählte, wie sie die beiden, den Walter und die Emmy, in ihrer Wohnung ertappte, und wie sie die Emmy hinauswarf auf die Treppe und die Emmy im Treppenflur stand in Hemd und Hose, da hatte der Hohe Ge­richtshof nur so herausgelacht und das Publikum hatte förmlich gewiehert. Wenn das kein Erfolg war!

,, Die Emmy aber saß auf der Zeugenbank und wurde purpur­rot. Jedermann sah sie ja im Treppenflur stehen in Hemd und Hose, und jetzt war sie aufgetakelt wie eine Bardame und trug einen hohen Hut mit einem Möwenflügel."

Frau Lukasch genoß ihren Triumph. Er war nicht der einzige Triumph an diesem Tage. Da war noch die Mutter der Emmy auf der Zeugenbank, die der Anwalt als Entlastungszeugin laden ließ, sie war auch noch da. Diese abgehärmte Näherin von Mänteln, die sich früher einen Strick um die Hüfte binden mußte, um ihre Röcke nicht zu verlieren, sie erzählte, wie Frau Lukasch sie herausgefüttert hatte. Sie erinnerte sich an alles, an jede Scheibe Wurst, jedes Kotelett, jede Wurstsuppe, jedes Stück Speck. Frau Lukasch war selbst erstaunt, und der Richter mußte die alte Frau sogar unterbrechen, sie wollte gar nicht aufhören. Das Publikum war zufrieden und murmelte beifällig.

Das war Frau Lukaschs zweiter Triumph. Als aber Walter als

Rüdiger sind Zeuge verhört wurde, machte sie einen schweren Fehler, sie rief:

ar

" nicht ver

Weshalb verhaften Sie nicht diesen Mann, der zehnmal schul­

Tier auf den diger ist als ich, meine Herren Richter? Er hat ein ganzes Jahr

übernächsten martert. Sie

wissen. Eines vielen prahle

mit mir gemeinsam gehört!"

Walter lachte laut auf und sagte: ,, Da kann man nur lachen, diese Frau hat ja einen Nagel im Kopf." Der Richter aber wurde böse und sagte: Überlassen Sie es gefälligst uns, wen wir ver­haften sollen oder nicht, Angeklagte!"

397