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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Frau Beate liebte über alles frische Luft, und eine mit Grauen vermischte Neugierde trieb sie unwiderstehlich dazu, alle An­griffe von ihrer Terrasse aus zu verfolgen. Christa mußte natür­lich in ihrer Nähe sein, denn es war nicht zu leugnen, daß man bei jedem Angriff in unmittelbarer Todesgefahr schwebte. Von Zeit zu Zeit glitt sie in das dunkle Haus, um sich mit einem Kognak zu stärken.

Bei manchen Angriffen war kaum etwas zu beobachten, einige Leuchtkugeln und die blitzenden Messer der Flakgranaten am Himmel, das war alles. Zuweilen beobachteten sie auch kämpfende Nachtjäger, die in abenteuerlicher Höhe, völlig unsichtbar, unter fernem Geknatter mit Leuchtmunition schossen. Leuchtende Perlen schrieben lichte Kurven in den dunklen Himmel. Einmal aber sahen sie eine brennende Maschine über die Stadt dahin­schießen, ein rotfunkelndes Maschinenskelett in einem glühenden Reifen, das so bedrohlich und rasend auf ihr Haus zuflog, daß Frau Beate aufschrie und mit Christa ins Haus floh.

Immer wieder aber wurden ihre Freiheiten beschnitten, der Luftschutzwart drohte, sie zu melden, und schließlich erhielt Frau Beate eine scharfe Warnung vom Kommandeur des Luft­schutzes, Oberst von Thünen.

Der alte Schellhammer wußte, wie man baute, denn er hatte als Schlosser viel auf Bauten zu tun gehabt. Für seine Kartoffeln, seinen Wein und seine Kohlen baute er einen massiven, ge­räumigen Keller, ein Kellergewölbe wie für eine Burg, das heute vorzügliche Dienste leistete.

Sobald die Sirene ihr schauerliches Geheul erhob, eilten die Leute der Nachbarschaft herbei, sie kamen von allen Seiten, rann­ten durch Regen, Schnee und eisige Kälte, oft waren es über sechzig. Dann kauerten sie in dem düsteren, kalten Keller ein paar Stunden lang, manchmal vier und sechs Stunden, manchmal die ganze Nacht. Viele brachten ihre Kinder mit, in Mäntel ge­hüllt, die Säuglinge in Decken gewickelt. Die meisten Parteien schleppten auch noch Koffer mit sich, die das Notwendigste und einen Imbiß enthielten, denn man wußte ja nicht, ob die Woh­nung nach dem Angriff noch stand und man nicht verschüttet wurde. Man hatte vieles gehört! Das Herz voller Angst saßen sie

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