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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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Bett aus dem Fenster in den Hof hinab, wo er am nächsten Morgen starb. Einen jüdischen Arzt, der ihm zu Hilfe eilte, schlug man mit Prügeln halbtot, um ihn schließlich zu ver­haften.

Besonders aus den schmalen Gassen der Altstadt, der Gerber­gasse, der Spitalgasse und dem Gänseweg hörte man stunden­lang gellendes Geschrei und lautes Jammern von Kindern und Frauen. Schrille Angstschreie erfüllten die Dunkelheit und drangen wie Messer in die Herzen der Menschen.

Grauen über Grauen! Entsetzen ergriff die Stadt.

Am Morgen waren die Leute wie verstört und gelähmt von dem grauenhaften Spuk der Schreckensnacht. Selbst viele An­gehörige der Partei schämten sich der Vorfälle, andere wiederum aber triumphierten hämisch. Manche Menschen weinten, und den ganzen Tag knarrten die Fuhrwerke mit den Glasscherben durch die Straßen, die Juden aber mußten zehn Millionen Reichs­mark Buße bezahlen für die Schäden, die man ihnen zufügte.

Der kleine Robby eilte vor Erregung zu seinem Vater ins Büro, um ihm sein Herz auszuschütten. ,, Hast du gehört, Vater?" rief er aus ,,, in der Spitalgasse haben sie ein zwölfjähriges Mäd­chen aus dem dritten Stock auf die Straße geworfen."

Fabian, den die Geschehnisse selbst völlig verstört hatten, tröstete ihn, so gut er konnte.

,, Höre, mein lieber Robby", sagte er zu ihm, während er seine Wangen streichelte ,,, du sollst nicht alles nachschwätzen, was die Leute erzählen. Hast du eine Ahnung, was heute alles zusam­mengelogen wird?"

,, Mama sagt auch, es ist alles Lüge. Die Feinde der Partei hätten es erfunden", rief Robby.

,, Mama will dich trösten, Robby, aber gewiß ist vieles über­trieben. Und was sagt denn Harry?"

,, Harry sagt, es geschieht den Juden ganz recht."

Fabian wurde dunkelrot. ,, Bestelle Harry, daß er wie ein kleiner Gassenjunge urteilt!" rief er aus. ,, Du aber, Robby, gehst jetzt rasch in die Spitalgasse und fragst nach dem armen Mäd­chen. Dann kommst du wieder zurück zu mir und sagst mir Bescheid, nicht wahr?"

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