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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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anordnete. Das war eine ihrer Begabungen. Bei dieser Ge- legenheit ließ sie die kostbarsten Rheinweine und stets Sekt servieren. Der Gauleiter hatte sie nicht umsonst ermahnt, nicht

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knauserig zu sein.

‚sagte& \ rechtliche gewöhnte Fabian sich an Charlotte, nur an ihre urteilt" Schönheit vermochte er sich nicht zu gewöhnen. Sie überwältigte

ihn täglich aufs neue. Christas Bild verblaßte mehr und mehr in ihm, wenn: auch die Trauer um ihren Verlust erst nach Monaten aus seinem Herzen ganz verschwand. Den Abschiedsbrief an Christa hatte er eines Tages verbrannt. Welch eine Verirrung! i sagte er vorwurfsvoll zu sich. An deine zwei Söhne mußtest du ‚um Hai vor allem denken! i Seine Trauer wurde eines Tages wieder geweckt, als er einen 7 Brief von Frau Beate aus Baden-Baden erhielt. Dem Brief lag ein hoher Scheck bei. Frau Beate dankte ihm kühl, aber sehr höflich für seine Bemühungen, sie habe sich nun ja mit ihren 4" Brüdern geeinigt. Kein Gruß von Christa, kein Wort von Me Christa.

Er schüttelte seufzend den Kopf und ging hinunter ins Hotel, um mit Charlotte und Rittmeister Möhn zu Abend zu essen. Rittmeister Möhn war zum Stellvertreter des Gauleiters er- © mnnt worden und führte in seiner Abwesenheit die Geschäfte. | Charlotte, die bis zwölf Uhr schlief und nachmittags einige , Stunden auf ihre Toilette verwandte, hatte es leicht, am Abend - vor Lebendigkeit zu sprühen. Sie kokettierte an diesem Abend "auffallend mit Rittmeister Möhn, dessen verwegenes Aussehen sie liebte. -Herr Rittmeister, sagte sie lachend zu ihm,Sie sehen aus al ob Sie vor nichts Angst hätten! Haben Sie denn wirklich vor u nichts Angst? Doch, ich habe Angst vor Ihrer Schönheit! erwiderte der Rittmeister.

Also kann Schönheit auch abschreckend wirken? fragte i Charlotte und tat bestürzt.Und Sie, mein Freund? wandte

sie sich an Fabian.Haben Sie auch vor meiner Schönheit Angst? "Fabian schüttelte den Kopf.Nicht im geringsten, er- er.

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