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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Aber jenes Judenmädchen, das da unten auf ihn wartete, for­derte gar nichts, weder Schloß noch Titel. Was forderte sie? Geduld? Geduld? Er war geneigt, einen hohen Preis zu zahlen.

Kräftig drückte er auf die Türklinke und trat in den Tee­raum. Marion sprang es sofort in die Augen, daß er in Zivil war, das ihn jünger erscheinen ließ. Er trug heute einen hellgrauen Anzug anstatt der abscheulichen braunen Uniform. Wenn er nicht diesen rostroten Scheitel gehabt hätte, der seine Stirn niedriger erscheinen ließ, konnte er wahrhaftig für einen statt­lichen, wenn auch etwas untersetzten Mann gelten.

Laut und lachend machte er Marion Vorwürfe, daß sie es sich nicht schon längst bequem gemacht habe. ,, Hurtig, hurtig", rief er ,,, junge Damen müssen immer hurtig sein. Wir werden zu­sammen Tee trinken und dabei unsere Geschäfte erledigen, dachte ich. Aber ich sehe schon, daß ich Sie bedienen muß", fuhr er gutgelaunt fort und legte Marion einen Berg von Kuchen auf den Teller.

,, Ich bitte Sie herzlich! Genug, genug!" rief Marion und fand ihr herzliches, unbekümmertes Lachen zurück.

Diesmal aber wollte der Gauleiter sogleich an die, Ge­schäfte", wie er es nannte, gehen. ,, Sprechen wir zunächst von Ihrer Schule", sagte er.

Und Marion begann die mißlichen Verhältnisse der jüdischen Schule zu schildern, ähnlich wie sie es gestern beim Adjutanten getan hatte, wobei sie besonders auf die unhaltbaren hygieni­schen Miẞstände hinwies. Natürlich verschwieg sie nicht die Keuchhustenepidemie, die sie im Frühjahr durchgemacht hatten und sprach ausführlich über die ansteckenden Krankheiten, die in ihrer Schule von Kind zu Kind übergingen. ,, Im letzten Win­ter verlor die Schule allein sechs Kinder an Diphtherie , ein schwerer Verlust für die jüdische Gemeinde!" sagte sie mit ernster Miene.

,, Das Schlimmste aber ist unser Klassenraum im Keller", fuhr Marion fort ,,, er ist nicht so groß wie dieses Zimmer und völlig dunkel. Durch die Kellergitter warfen die Gassenjungen allerlei Unrat, tote Mäuse und Katzen und noch üblere Dinge." Marion lachte laut auf, als sie an diese Vorfälle dachte. ,, End­

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