Endlich kam sie auf den Gedanken, den spanischen Dolch ihres Vaters mitzunehmen. Sie wollte ihn in ihr Kleid einnähen, für alle Fälle! Damit schlief sie beruhigt ein, und am Morgen schämte sie sich des Gedankens. Der ,, Wolf" würde sich hüten, sie anzurühren.
Am Nachmittag aber überfiel sie wieder die Unrast, und um sich selbst zu beruhigen, nähte sie den spanischen Dolch kunstvoll in ihr Kleid ein. Ja, jetzt konnte ihr nichts mehr geschehen! Und nun war sie hier.
Der Raum, in dem sie sich befand, war ein kleiner, in hellblau gehaltener Salon mit blauen Sesseln und vielen gerahmten kleinen Stichen, die Pferde darstellten, an der Wand. In der Mitte stand ein gedeckter Teetisch mit Gebäck und einem Strauß von weißem Flieder.
Da hörte sie einen schweren Tritt draußen auf der Treppe, das konnte nur der Herr des Hauses sein.
In der Tat, der Gauleiter stieg langsam die Treppe hinab. Er ließ sich Zeit, da er seine Zigarre zu Ende rauchen wollte und ihm in diesem Moment allerlei Gedanken durch den Kopf gingen.
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Bis heute hatte er, wenn er es richtig bedachte, nur käufliche Frauen gekannt. Einer zum Beispiel bezahlte er ein Billett für einen Dollar, eine kaufte er für drei Zigaretten, die er in der Tasche hatte, eine in Frisko gewann er für einen Hut mit einer mächtigen Pleureuse. Er erinnerte sich nicht mehr an die lächerlichen Einzelheiten. Die Frauen, früher nichts als Sklavinnen, schienen auch heute noch nicht ihre Sklavinnenmoral völlig vergessen zu haben, wie es ihm schien. Jede Frau hat ihren Preis, dachte er, auch heute noch. Bei der einen ist es ein Kopftuch, bei der anderen sind es drei Zigaretten, bei der dritten ist es ein Schloß oder ein hoher Titel. Es ist auch heute noch ein Gesetz in dieser Welt, daß die Frau sich verkauft und der Mann sie bezahlt. Eine Seltenheit aber scheint es zu sein, daß eine Frau einem Mann bedingungslos gehört, ohne nach dem Preis zu fragen. Er wenigstens hatte nie eine solche Frau gekannt!
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Und doch war es immer sein Traum gewesen, solch eine Frau zu besitzen, die ihn liebte, ohne nach dem Preis zu fragen. Dann, ja dann wollte er gerne Schloß und Titel geben.
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