Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
225
Einzelbild herunterladen

entgegen. elden sich

engestalt

ihre er

Das war

er Erfolg mgewöhn men Miß

e Schritte schwarz

ie ,, Burg "

er Amsel d Marion sechs Uhr errn Ritt

, zu dem

um einige men Kopf, Strat und

agen, mein

Er sagte infach ent­achen be­

Er verriet ihr nicht, daß Rumpf ihm gestern abend beim Kartenspiel eine halbe Stunde lang die Ohren vollgeschwärmt hatte. ,, Ein ganz seltenes Geschöpf", sagte er, frisch wie ein Hecht im Wasser! Wenn sie lacht, fühlt man sich um zehn Jahre jünger. Ich wußte ja nicht, daß die Juden solch bezaubernde Weiber haben. Beim Himmel, man könnte sich glatt in sie ver­knallen!" Weiß Gott , was er noch alles sagte. Rittmeister Möhn war intim mit dem Gauleiter befreundet, er kannte und be­günstigte seine Vorliebe für schöne Frauen.

Möhn bat Marion einzutreten und geleitete sie in eine ge­räumige, hohe Diele, auf deren Fliesen meterhohe, dunkelblaue Vasen mit weißen Fliederzweigen standen, die einen märchen­haften Duft ausströmten. Ein alter Kammerdiener nahm ihr den Pelz ab. Dann öffnete. Rittmeister Möhn eine Türe und ver­beugte sich höflich. ,, Der Herr Gauleiter bittet Sie, sich ganz zu Hause zu fühlen", sagte er. ,, Ich werde ihm sofort Ihre Ankunft melden."

Marion war von soviel Höflichkeit überrascht und verwirrt. Ihr Herz klopfte, als sie allein war, und sie wagte es kaum, sich

umzusehen.

Den gestrigen Abend hatte sie in dem Triumphgefühl ver­bracht, der Schule drei neue Unterrichtsräume verschafft zu haben. Erst später fand sie die Ruhe, alle Einzelheiten ihres Be­suches beim Gauleiter nochmals zu durchleben. Das eine stand ja fest, daß sie ihm nicht mißfiel! Ob sie ihm gefallen hatte, wagte sie nicht zu sagen. Erst später fand sie es auffallend, daß der ,, Wolf" sie nach Einstetten bestellte, wegen einiger Klassen­räume für Judenkinder, man denke! Sie war, ohne es zu wollen, in ein richtiges Abenteuer hineingeraten, in ein nicht ganz un­bedenkliches, ja vielleicht gefährliches Abenteuer. Das schlimmste dabei war, daß sie sich mit niemand besprechen konnte. Die einzige Freundin, der sie volles Vertrauen schenkte, Christa Lerche- Schellhammer, sie war in Florenz oder Rom, weiß Gott , wo sie war. Die halbe Nacht lag sie schlaflos, aber endlich fand sie ihre ruhige Überlegung zurück. Was kann dir schon passieren? lachte sie. Der ,, Wolf" wird dich nicht fressen, schließlich kannst du dich auch wehren!

15 Totentanz

225