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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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Mittag. Als Christa ihm versprach, zuweilen einen Gruß zu senden, bat er sie, die Post an den ,, Stern" zu richten.

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Wohnen Sie denn jetzt im, Stern'?" fragte sie erstaunt.

" Ja", antwortete er voller Genugtuung ,,, ich werde in wenigen Tagen im, Stern' wohnen. Bis Ihr erster Gruß eintrifft, bin ich längst eingezogen."

Christa errötete, und ihr tastender Blick sagte ihm, daß sie blitzschnell die Zusammenhänge erkannt hatte.

,, Ich wünsche Ihnen von Herzen Glück", sagte sie, indem sie ihm die Hand hinstreckte.

Sie sind es, die mein Glück in der Hand hält, war er versucht zu erwidern, aber er antwortete unklar: ,, Danke herzlich. Ohne jede Hoffnung glaube ich ja nicht zu sein."

Clotilde war sehr erstaunt, eines Tages zehn neue Kisten in der Wohnung vorzufinden. Fünf standen in der Diele, fünf in Fabians Arbeitszimmer. Sie hatten vereinbart, daß er seine Bücher, seinen Schreibtisch und einige Habseligkeiten mitneh­men dürfe.

Am nächsten Tag zog er um. Die beiden Hotelzimmer waren bald mit den ,, Wrackstücken aus seiner Ehe" ziemlich behaglich eingerichtet, und obschon er an bürgerliche Behaglichkeit und die großen Räume eines gutsituierten Mannes gewöhnt war, redete er sich ein, sich zu Hause zu fühlen.

Sein neues Leben hatte begonnen! Der Strom seiner Gedanken und Empfindungen floẞ ruhig dahin, nicht mehr gestört durch hundert Nichtigkeiten des Alltags, die ihn wie Mückenschwärme peinigten, und befreit vom anmaßenden Wesen Clotildes, deren Ehrgeiz in letzter Zeit dahin gegangen war, ihren Willen auch in den unscheinbarsten und gänzlich unwesentlichen Dingen durchzusetzen.

An den ersten Abenden genoß er die Stille seines Hotelzim­mers. Er setzte sich mit der Zigarre in einen Sessel und streckte behaglich die Beine aus, das war seine ganze Beschäftigung. Dann vertiefte er sich in seine Bücher, und als ihm auch das zu langweilig wurde, lud er seinen Bruder Wolfgang zum Abend­essen ein, um ihn in das Geheimnis seines neuen Domizils einzu­weihen.

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