Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
113
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Liste gesetzt, obschon er wußte, daß sie in diesen Tagen einen kleinen Ausflug nach Baden- Baden planten. Trotzdem er unter den Damen eifrig Umschau hielt, konnte er sie nirgends ent­decken.

Schade, Christa ist nicht da, dachte er und begab sich zu den letzten Stuhlreihen, wo die einfachen Soldaten der Partei in ihren braunen Uniformen saßen. Sie rückten bereitwillig zur Seite und man gewann den Eindruck, als sei soeben ihr Kom­mandeur zu ihnen getreten.

,, Er sieht prächtig aus", raunte die Baronin in Clotildes Ohr. ,, Herrlich, daß er sich endlich positiv erklärte!"

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Wenn man etwas tut, so soll man es ganz tun!" antwortete Clotilde. ,, Als begeisterter Soldat mußte er sich natürlich einer militärischen Formation anschließen."

,, Das erwartete man selbstverständlich von ihm", fuhr die Baronin fort. ,, Daß er es aber tat, ohne vorher die Bedingung eines militärischen Ranges zu stellen, das wird man ihm hoch anrechnen."

Ja, nun konnte der Bürgermeister kommen.

Aber er kam noch nicht. Etwas schien noch zu fehlen. Man debattierte und deutete auf die drei Sitze, die in der Reihe der Ratsherren noch unbesetzt waren. Für wen mochten diese drei Stühle reserviert sein? Wurden hohe Gäste erwartet?

Da wurde nochmals die Haupttüre geöffnet und drei Herren in braunen und schwarzen Uniformen der Partei erschienen, um sich rasch zu den reservierten Stühlen zu begeben. Der vorderste war ein gedrungener, breitschultriger Mann, der hurtig dahin­schritt. Er hatte ein breites, gutmütiges Gesicht mit vollen Lippen und rostrotes, gescheiteltes Haar. Dazu trug er einen kurz ge­haltenen, schmalen Backenbart. Auffallend war, daß er keinerlei Ordensauszeichnungen besaß, nur ein unansehnliches Band zeigte sich in seinem Knopfloch. Die zwei Herren seiner Begleitung schienen seine Adjutanten zu sein, sie waren um vieles jünger und sahen in ihrer straffen, militärischen Haltung vorzüglich aus.

Im Saal entstand einige Aufregung und Unruhe, Neugierige er­hoben sich, und die braunen Parteisoldaten warfen die Hand in die Höhe und schrien: ,, Heil."

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