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Totentanz / Bernhard Kellermann
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ten und sagte:Verehrter Freund, ich glaube nicht, daß Ihr Argument mit dem Katholizismus stichhaltig ist. Nein, nein, nein! Schließlich kann man auch nicht erwarten, daß eine politische Partei mit dem Bischofsstab in der Hand daherkommt! Oder?

Die beiden Damen lachten.

Clotilde zuckte die Achseln. Mit einem Lächeln, aber mit einem kühlen Blick auf ihren Gatten, warf sie ein:Um die Wahrheit zu sagen, macht sich ja Frank nichts aus der katholi- schen Kirche. Er besucht nur selten eine Messe und geht nicht einmal zur Beichte. Der Katholizismus ist ihm im Grunde völlig gleichgültig. Wiederum ließ sie ihr etwas leeres Lachen erklin- gen. Sooft Clotilde der Unterstützung eines Anwesenden sicher war, fand sie, wie viele Frauen, den Mut, ihn anzugreifen. In solchen Fällen ging sie sogar oft so weit, ihn zu desavouieren.

Du erlaubst, Clotilde, entgegnete Fabian höflich,man kann religiöse Gefühle auch besitzen, ohne Frömmigkeit zu zei- gen, nicht wahr?

Die Baronin nickte.Natürlich, stimmte sie zu.Trotz alle- dem kann ich den Katholizismus nicht gelten lassen, noch weni- ger aber den Offizier. Sie wissen, mein Mann ist aktiver Militär und Oberst. Ich glaube mich recht zu erinnern, daß Sie Haupt- mann der Reserve sind, verehrter Freund?

Fabian richtete sich unwillkürlich auf, als sie seinen militäri- schen Rang erwähnte. Er war begeisterter Soldat gewesen und hatte den Weltkrieg'mit Auszeichnung mitgemacht.

Die Stellungnahme der Armee, erwiderte er,war lange nicht geklärt, Baronin. Ich habe sogar wiederholt mit meinem Regimentskommandeur korrespondiert, um korrekt zu handeln. Er empfahl mir immer abzuwarten.

Die Baronin unterbrach ihn. Mit einem reizenden Lächeln und strahlenden Augen sagte sie:Ihr Regimentskommandeur scheint schlecht orientiert gewesen zu sein, vielleicht aber war er auch noch vom alten Kastengeist besessen? Wer weiß es? Betrachten Sie doch meinen Mann, ich bitte Sie, und Hunderte von hohen Offizieren. Nein, mein verehrter Freund, die Schranken der Kasten sind gottlob gefallen. Und sie fallen täglich, eine nach der andern. Wenn ich denke, wie es früher war! Es war einfach ent-

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