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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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ließ niemals Erschlaffung aufkommen, und Fabian hatte sich seiner besonderen Gunst erfreut.

Ja, so sagen Sie mir nur, Martha, brachte er endlich hervor, weshalb in aller Welt Doktor Krüger gehen mußte? Weshalb denn?

Martha zuckte die Achseln und blickte zu Boden.Man sagt, weil er Sozialdemokrat war.

Fabian lachte ärgerlich.Krüger war Zentrum und niemals Sozialdemokrat! sagte er etwas lauter als er wollte.

Man sagt, er hatte soviel mit Sozialdemokraten zu tun, be- richtigte das Mädchen.

Wieder lachte Fabian und schütrelte erregt den Kopf.Nun, und wer ist denn an seine Stelle gekommen?

Ein Herr Taubenhaus.

Taubenhaus? fragte Fabian kopfschüttelnd.Woher kommt er denn?;

Martha zuckte die Achseln und zog sich zur Türe zurück. Das wisse sie nicht.Man sagt, er soll Beamter in einer kleinen Stadt in Pommern gewesen sein.

In Pommern?

Man sagt es. Ja, und dann soll das Kapuzinerkloster ge- schlossen werden, erzählt man sich.

. Fabian lachte wiederum, diesmal aber mit gerunzelter Stirn. Nun erzählen Sie wohl Märchen, Martha? sagte er ungläubig. Das Kapuzinerkloster?

Martha öffnete die Türe, da sie die Klingel auf dem Korridor gehört hatte.Die Leute reden ja heute sehr viel, erwiderte sie achselzuckend. Dann fügte sie eilig hinzu:Die gnädige Frau hat geklingelt, und schlüpfte hinaus.

Ich lasse meine Frau bestens grüßen, Martha, rief Fabian dem Mädchen nach.Morgen früh werde ich ihr guten Tag sagen.

Die Ehe Fabian war seit längerer Zeit erschüttert. Die Gatten lagen in Scheidung, aber beide bewahrten vor der Welt noch freundschaftliche Formen.

Fabian schüttelte noch immer den Kopf, als Martha die Türe geschlossen hatte. Dann goß er sich ein Glas Rotwein ein und

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