Der Blockälteste, der selbst sichtlich betroffen war, kam abends zu mir, um mir mit deutlich sichtbarer Teilnahme die bedeutsame Verschlechterung meiner Lage mitzuteilen.
Ich packte meine wenigen Habseligkeiten zusammen und meldete mich beim Blockältesten der K- Kompanie auf Block 46.
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Die Hölle des Steinbruchs hatte ich glücklich überstanden. Nun war ich bei den Kriegsverbrechern gelandet. Der Name allein sagte genug. Ich durfte nicht damit rechnen, daß ich als Kriegsverbrecher schonender als die anderen Häftlinge behandelt werden würde.
Kriegsverbrecher waren in den Augen der SS die gemeinsten und niedrigsten aller Verbrecherkategorien, die zertreten und ausgerottet werden mußten. Kriegsverbrecher waren Freiwild für die SS. Auf sie konnte man Jagd machen, wie und wo man sie traf. Wir waren deshalb auch abgestempelt, trugen das„ K" im Winkel, so daß der SS- Mann von vornherein wußte, wen er vor sich hatte.
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Während alle anderen Häftlinge des Lagers mit Ausnahme der Häftlinge der Strafkompanie alle vierzehn Tage Briefe schreiben und empfangen konnten, durften wir nur alle drei Monate einen Brief schreiben und einen Brief empfangen. Wir hatten Blocksperre, durften den Block nie verlassen. Außerdem hatten wir Rauchverbot, keinen Einkauf in der Häftlingskantine und waren von der Bücherei ausgeschlossen. Was diese Einschränkungen für den Häftling bedeuteten, kann selbst ein Außenstehender
ermessen.
Die Kriegsverbrecher- Kompanie setzte sich aus Menschen aller Altersklassen, aller Berufe, aller Nationen und aller Verbrecherkategorien zusammen. Da waren hohe Staatsbeamte, Generalstabsoffiziere, Richter, Professoren, Direktoren, Schriftsteller, Abgeordnete, Pfarrer, Geschäftsleute, Bauern, Handwerker und Arbeiter. Da waren Raubmörder, Mörder, Zuhälter, Hochstapler, Spione, Eheschwindler, Sittlichkeitsverbrecher, Betrüger, Geldfälscher, Hühner- und Fahrraddiebe, Landstreicher, Hoch- und Landesverräter, Meckerer und Bibelforscher, ehemalige Angehörige der SS und SA und Pgs. Da gab es Rote( Politische), Grüne( Berufsverbrecher), Schwarze( Asoziale), Rosarote( Sittlichkeitsverbrecher), Lila( Bibelforscher) und Juden( Stern). Das war die K- Kompanie.
In dieser Gemeinschaft sollte ich von nun an leben. Eine Strafe, wie sie mich schwerer nicht treffen konnte. Aller gute Wille, mit ihnen zusammenzuleben, mit ihnen zu halten, Freud und Leid mit ihnen zu teilen, war nutzlos. Hier gab es keine Gemeinschaft. Um geringer persönlicher Vorteile willen verriet einer den anderen.
Nur die wenigen Politischen hielten zusammen, aber sie waren gegenüber den Grünen( Berufsverbrechern), die dominierten( im Gegensatz zum Lager selbst, in dem die Roten die einflußreichsten Stellungen innehatten), derart in der Minderheit, daß sie keinen Einfluß gewinnen konnten. Wir Politische
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