Und die Musik spielte ununterbrochen alte preußische Militärmärsche. Aber in den Augen der harten und verbitterten Gesichter der Häftlinge flackerte leidenschaftlicher Haß gegen die Mörder dieser jungen starken Menschen, die sich der Knute der SS nicht gebeugt hatten.

Kein aufrechter Mensch ist durch dieses Inferno des Todes lebend hindurch. gegangen. Es sei denn, daß er nur wenige Tage oder kurze Wochen blieb und durch einflußreiche Freunde befreit und in ein anderes Kommando gebracht wurde. Die anderen, die aushielten, waren haltlos und korrumpiert und boten sich für kleinere und größere Bütteldienste der SS an.

Das war Buchenwald ...

So war es heute, an meinem ersten Arbeitstag im Steinbruch. So war Buchen­ wald gestern, und so würde Buchenwald bleiben, morgen und alle Tage, so­lange die Blutherrschaft der braunen Henker bestand...

Nach dem Einmarsch der Arbeitskommandos begann der Aufmarsch der Häftlinge nach Blocks geordnet auf dem Appellplatz. Etwa fünfzig Blocks traten an, in Zehnerreihen gegliedert und in streng militärischer Zucht und Ordnung. Wehe den Reihen, die nicht militärisch ausgerichtet standen oder beim lauten Abzählen Fehler machten.

Wenn der Appell ohne Störung vorüberging, dauerte er durchschnittlich eine Stunde, ob bei Regen oder Schnee, ob es hell oder dunkel war. Bei Dunkelheit warfen grelle Scheinwerfer ihre Leuchtbahnen auf die Tausende unbeweglich stehender Elendsgestalten. Sie mußten so lange stehen, bis ent­weder das Kommando ertönte: ,, Abrücken!" oder ,, Ein Lied". Mußte gesungen werden, kletterte der Dirigent auf den großen Kokshaufen am Tor und diri­gierte von dort aus die anbefohlenen Lieder. Wurde ein neues Lied eingeübt. so kam es nicht selten vor, daß die Häftlinge zwei oder drei Stunden bei jedem Wetter singen mußten.

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