( St. scheint übrigens im russischen Feldzug auch Flecktyphus gehabt zu haben!) Während mich zum Beispiel Strindberg durch seine Unausgeglichenheit und seinen Verfolgungswahn irritiert, während Dostojewski mir viel zu tief bohrtwas ich hier nicht vertragen kann, besitzt Stendhals Werk die Bewegtheit durch geniale Sachlichkeit, nach der ich, als Gegengewicht zu der hiesigen Hölle, mit beiden Händen greife.
Nach dem Appell
Rheinhardt hatte heute ernsten Krach mit seinem Oberpfleger. Die Sache konnte durch Drosts Vermittelung glücklicherweise eingerenkt werden, doch ich fürchte, daß es in einigen Tagen wieder schiefgehen wird.
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An R.s Arbeit ist bestimmt nichts auszusetzen, aber er ist immer noch zu unterwürfig, und das darf er- besonders Lagerprominenten gegenüber ganz und gar nicht sein. Wir müssen ihren großen Mund ebenso großmäulig beantworten- anders ist man hier verloren. Rheinhardt ist innerlich natürlich absolut nicht servil, aber er darf es hier äußerlich, auch dem Schein nach, ebenfalls nicht sein.
Ich werde morgen noch einmal ausführlich über diesen Punkt mit ihm reden.
Spät abends
Ich bin ,, befördert"! Dank meiner tschechischen Freunde auf der Schreibstube! Wurde ,, Revierläufer", bekomme eine Armbinde mit dem Roten Kreuz darauf muẞ Gänge und Besorgungen im Lager machen: im Auftrag der Revierschreibstube.
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Dadurch bin ich jetzt auch ,, offiziell" beauftragt, zweimal täglich sämtliche Blocks mit den Kranken- und Totenlisten abzulaufen, um sie von den Blockältesten zeichnen zu lassen. Ich muß für Blutspender sorgen, morgens um halb sechs Ordnungsdienst bei der Ohrenstation machen und abends die Zugänge ins Bad bringen.
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