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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Man legt dieses Buch mit dem Gefühl aus der Hand, das nur wenige Bücher in einem wachrufen: das ist das Buch, das ich brauche. Das ist das Buch, auf das ich gewartet habe. Nicht, daß es endlich Antwort auf Fragen gäbe, die bei an­deren Autoren ungelöst blieben! Es geht ja zunächst nicht immer um die richtige Antwort. Es geht zunächst einmal um die richtige Frage. Wir stoßen heute oft darauf, daß Unkennt­nis, Dummheit oder unbewußte Verlogenheit einen Menschen abhalten, die Worte zu finden, aus denen eine präzise Frage bestehen würde. Bevor jemand zu der Hoffnung berechtigt ist, endlich die richtige Antwort auf eine Frage zu bekommen, muß er den Mut gehabt haben, die entscheidende Frage erst zu stellen. Der dieses Buch schrieb, hatte Mut zu fragen: Was für einen Sinn hat in dieser Zeit noch das, was wir ,, Kultur­erbe" nennen? Die Dichter und Denker, auf die wir stolz wa­ren haben sie heute noch etwas zu sagen, wenn es hart auf hart geht, auf der Grenzscheide zwischen Leben und Tod? Das Aufspeichern von Kenntnissen, die Diskussionen um zeit­genössische und vergangene Autoren, haben sie wirklich noch einen Sinn? Was für einen Sinn hat Goethe in Dachau ? Um das Ergebnis des Buches, das zugleich das Ergebnis un­serer geistigen Existenz ist, vorwegzunehmen: den höchsten Sinn. Den Sinn des Lebens überhaupt. Der Autor, der sein geistiges Leben auf den dialektischen Materialismus gegrün­det hat, beschreibt leidenschaftlich und feierlich den Triumph der Idee über die rohe Materie. Die Bereitschaft des überzeug­ten Materialisten, das Leben für seine Idee einzusetzen, die ohne Kulturerbe, ohne den Beistand der denkenden Menschen aller Zeiten und Völker nicht vorstellbar wäre.

Es gibt eine Fülle guter, ja ausgezeichneter Bücher über Kon­zentrationslager. Sie legen für Zeitgenossen und Nachkommen ein würdiges Zeugnis für alles ab, wozu der Mensch im Bösen

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