NÄCHTLICHE VISION
Tapp— tapp— tapp—
Was hat mich plötzlich in der Nacht gepackt?
Tapp— tapp— tapp—
Die Schritte unten geben ihren Takt.
Denn tapp— und tapp— und tapp— Nach langem Wühlen war ich eingeschlafen, Nun ist es mit der Ruhe schnell vorbei.
Will man mit ewigem Grübeln mich bestrafen? Wie sehnte ich die Nacht doch stets herbei.
Doch tapp— und tapp— und tapp— Der Posten geht dort unten seinen Schritt ‚Am Tor und auf dem Hof wohl hin und her; Er nimmt dabei auch meine Ruhe mit,
Ich find’ den'Schlaf schon längst nicht mehr. Mein Blick eilt durch die finstere Nacht: Ob wohl mein Liebchen auch jetzt wacht?—
Kfps— klipp— klapp— Man schaltet’s Licht in meiner Kammer ein, Knips— klipp— klapp— Ein Auge schaut durch den Spion herein Und guckt— und guckt— und guckt.— Wenn so in jeder nächtlich langen Stunde Das Auge des Gesetzes mich bewacht, Dann hat der Ablauf einer jeden Runde Mir stets ein neues Wachsein eingebracht.— Doch knips— und klipp— und klapp— Und kalte Nacht ist wieder um mich her, Mit meinen Träumen bin ich ganz allein; Da lächelt mir, ich wünsche es so sehr, Ein liebes Aug’ durchs Guckloch nun herein.— So, Liebste, seh’ ich dich dort stehn; Schon läßt die Nacht dein Bild verwehn.—


