Angestellten von Onkel Karl, deren gleichaltriger Sohn Susi von früher her kannte. Sie ist mit einem jungen Halbjuden verlobt, der in Palästina ist. Mit seinen Eltern, die in Berlin leben, steht sie in ständiger Verbindung, sie helfen ihr und ihrer Mutter auch mit allerlei Lebensmitteln, können aber keinen von ihnen aufnehmen, da beide im Hause nur zu gut bekannt sind. Zwar sind die künftigen Schwiegereltern nicht unmittelbar bedroht, weil die Frau ,, Arierin" ist, aber sie müssen sehr vorsichtig sein. Uebrigens wird Susi nicht von Onkel Karl verpflegt, sie erklärte sofort sehr bestimmt, daß das nicht nötig sei, weil sie und ihre Mutter allerhand Beziehungen und Möglichkeiten hätten. Ich glaube, Onkel Karl ist ganz froh darüber, es ist doch ein Unterschied, ob man für zwei oder für drei sorgen muß! Und es werden auch sonst noch ständig Wünsche in dieser Beziehung an ihn gerichtet, die er nie ablehnen wird, wenn er irgend in der Lage ist, sie zu erfüllen. Susi hat mir auch gleich sehr nett und kameradschaftlich angeboten, mich an ihrer Versorgung teilhaben zu lassen. Ich nehme dankend an, soweit sie reichlich versorgt wird.
Vor zwei Tagen war Frau Hopf, die Quäkerin, wieder bei mir. Noch muß ich den Kopf schütteln über die wunderbaren Wege, die wir geführt werden, wenn ich an ihren Bericht denke. Sie war in R. mit einer ganzen Reihe junger Quäker zusammen, Freunden und Freundinnen ihrer Tochter. Einer davon hatte sie eines Abends von mir erzählt und mit ihr überlegt, wo man wohl ein Notquartier für mich finden könnte. Hella, so heißt die Jungquäkerin, schlug vor, ihren Freund Peter zu rufen, der vielleicht Rat wüßte. Frau Hopf hat dann diesem von mir berichtet. Er horchte
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