vielleicht bei einer neuen Quartiersuche oder auch sonst behilflich sein. In großen Zügen sei sie über mein Schick­sal der letzten Monate informiert, würde mich aber gern selbst sehen und sprechen. Ich führte dieses Telephonge­spräch noch auf dem Wege zu Onkel Karl von einem öf­fentlichen Fernsprecher aus. Frau Hopf war sofort im Bilde, äußerte ihre Freude, von mir zu hören, und sagte ihren Besuch für den nächsten Tag, den 22. Dezember, zu.

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Sie erschien pünktlich, und wir hatten volle Muẞe, allein in der ganzen Wohnung selbstverständlich hatte ich On­kel Karls Einverständnis zu diesem wie zu allen folgenden Besuchen vorher erbeten uns über alles, was sie an mei­nem Schicksal interessierte, auszusprechen. Sie versprach, mit anderen Freunden meinetwegen Fühlung zu nehmen, vor allem zu versuchen, mir für den Notfall eine weitere Unterkunft zu vermitteln. Beim Abschied erzählte sie, daß sie mit Mann und Tochter für die Weihnachtstage in die Nähe Berlins ginge, um ein bißchen auszuspannen. Sie träfe auch dort mit Freunden zusammen, die vielleicht helfen könnten. Vor Mitte Januar käme sie kaum zurück, nach der Heimkehr werde sie sich wieder bei mir melden. Ich freue mich sehr, diese alte Bekanntschaft wiedergefunden zu haben. Nicht nur, daß ich sie persönlich hoch schätze, ich kenne auch ihre Hilfsbereitschaft und ihren großen Be­kanntenkreis. Und ich fühle die Verpflichtung, mich für alle Fälle im vornherein eines neuen Quartiers zu versi­chern. Es soll nie wieder vorkommen, daß ein nötig wer­dender Wechsel mich vis- a- vis de rien findet.

Gestern abend kam Onkel Karl ziemlich erregt heim. Schon während des Abendessens begann er: ,, Ich muß et­was mit Ihnen besprechen, Maierchen. Eine meiner lang­jährigen Angestellten kam heute zu mir und bat um einen Rat. Sie wohnt im Grunewald , und bei dem gestrigen Bom­bardement ist das gegenüberliegende Haus von einer Bom­be getroffen worden. Ein Teil der Bewohner wurde in ihrer Wohnung untergebracht, in der sich, was ich schon

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