dann am Abend zu ihr, um ihn abzuholen. Gleichzeitig kann ich dann immer Gustav an die Fertigstellung der Kennkarte erinnern. Ich wäre besonders um Onkel Karls willen froh, den Ausweis zu haben, der ein gewisser Schutz ist.
Alles in allem, die Welt sieht ein bißchen weniger grau für mich aus als vor meinem Einzug hier! Solche Menschen wie Onkel Karl geben einem wieder Mut weiterzuleben.
Weihnachten ist sehr still verlaufen. Onkel Karl haẞt jedes Feiern. Er duldet auch nicht, daß von seinem Geburtstag, dessen Datum wohl nur wenige seiner intimsten Freunde kennen, Notiz genommen wird. Aber ich habe trotzdem in aller Stille für mich gefeiert. Zwei besondere Ereignisse zeichneten die Feiertage für mich aus. Einmal die Besuche von Eva und Tilla, die eine große Freude für mich waren, - es wäre ja das erste Weihnachtsfest seit Deinem und der Kinder Fernsein gewesen, das ich nicht gemeinsam mit Tilla verlebt hätte, hatte sie es doch sogar im vergangenen Jahre in Berg a. L. möglich gemacht, am Heiligabend für kurze Zeit zu mir in mein Zimmerchen zu kommen. Beide freuten sich mit mir über die unverändert harmonische Umgebung, in der ich mich zusehends erhole. Noch ein zweites Erlebnis machte mir die Weihnachtstage bedeutsam. Als ich mir Evas letzten Brief vor Weihnachten von Erna abholte, fand ich in ihm Grüße von Annemarie, der Quäkerin, die Ankündigung eines Weihnachtspäckchens, das Eva mir mitbringen werde, und die Aufforderung, eine Berliner Quäkerin, die uns beiden seit vielen Jahren bekannt ist, brieflich oder noch besser telephonisch von meiner Adresse in Kenntnis zu setzen. Sie könne mir
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