zu kommen, und nach einigem Zögern hätte ich sein An­gebot dankbar angenommen. Auf eine polizeiliche Anmel­dung hatte ich ihn gebeten zu verzichten, weil ich fürchten müßte, man würde mir daraufhin meine kleine Wohnung in Düsseldorf nehmen und Ausgebombte hineinsetzen. Ich zweifle zwar, ob man im Ernstfall diesen Aussagen Glau­ben schenken würde, aber wir wollen hoffen, daß dieser Ernstfall nicht eintreten wird. Für Freunde und Nachbarn von Onkel Karl bin ich eine Bekannte von früher, der er sein Haus als Zuflucht angeboten hat. Das wird ohne wei­teres geglaubt, man kennt ja allgemein seine Gastfreund­schaft, und verschiedentlich äußerten Bekannte und eine Hausnachbarin, daß sie sich freuten, wenn jemand für ein bißchen Behaglichkeit in diesem Junggesellenhaushalt sorge. Und ich genieße es, wieder mit verschiedenen Menschen zusammenzukommen, um so mehr, als es sich fast durch­weg um recht anregenden und interessanten Verkehr handelt.-

Wir sind auch übereingekommen, daß Gretchen völlig ausgeschaltet bleiben sollte. Sie ist verabredungsgemäß er­schienen, als ich zwei Tage hier war, und wurde mir förm­lich vorgestellt. Wir unterhielten uns, und jeder Anwesende mußte denken, daß zwei fremde Menschen rasch Sympa­thie für einander fanden und äußerten, so daß es absolut nicht auffiel, daß Onkel Karl Gretchen bat, meinetwegen doch öfters als sonst zu erscheinen.

Auch hier werde ich so wenig wie möglich das Haus verlassen. Wenn ich es tue, dann nur in der Dunkelheit und mit einem dichten Trauerschleier vor dem Gesicht. Ich benutze als Verkehrsmittel niemals Schnell- und Unter­grundbahn, die hell erleuchtet sind, sondern nur den völlig dunklen Vorder- oder Hinterperron der Tram. Einmal wö­chentlich rufe ich bei Erna an, die sich bereit erklärt hat, fernerhin den Briefverkehr zwischen meiner Freundin Eva und mir zu vermitteln. Sagt sie mir, daß sie meinen Besuch erwartet, weiß ich, es ist ein Brief für mich da, und gehe

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