Schreckliche Träume peinigten mich in der kurzen Zeit, die ich schlafen konnte.
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Am Freitagfrüh wurde ich plötzlich gerufen. ,, Der Regierungsrat Schroth ist da mit unserem Vorsitzenden", verkündete mir Hermann ,,, Schroth scheint sehr schlechter Laune zu sein, er will nicht einmal ins Haus kommen." Schnell lief ich hinunter. Vor der Tür standen die beiden Herren, wütend schleuderte mir Schroth entgegen: ,, Ziehen Sie sich an, Sie werden verhaftet!" Nun war mir diese Einleitung nichts Neues, schon manche Revision hatte so begonnen. Heute war ich aber nicht ruhig, sondern selber aufgewühlt und unruhig, und so entgegnete ich erregt: ,, Bitte, Herr Regierungsrat, verhaften Sie mich nur, es könnte mir gar nichts Besseres geschehen, dann hätte ich wenigstens eine Zeitlang Ruhe!" Erstaunt sah mich Schroth an, diese Reaktion hatte er bei mir noch nie erlebt. ,, Sie wissen ja noch gar nicht, was gegen Sie vorliegt", sagte er etwas ruhiger. ,, Sie sollen Fleisch ohne Marken in der Stadt gekauft haben." Innerlich atmete ich auf, selbstverständlich hatte ich eine solche Dummheit nicht gemacht, und ich wußte auch sofort, wo die Denunziation herkam. ,, Unser Metzger hat sich wohl beschwert, daß wir die beiden letzten Wochen kein Fleisch bei ihm bezogen haben“, sagte ich nun ganz ruhig. ,, Ich kann nachweisen, daß ich unsere Fleischmarken für Wurst und Leberkäs bei dem uns von Ihrer Stelle zugewiesenen Wurstfabrikanten eingelöst habe, weil der Metzger uns so miserabel beliefert hat, daß ich meinen Leuten keine anständige Mahlzeit vorsetzen konnte." ,, Das müssen Sie erst beweisen", stieß Schroth hervor. ,, Das kann ich ohne weiteres", entgegnete ich, ,, wollen Sie sich ins Büro bemühen?" ,, Nein, Sie können mir die Belege herausbringen", brummte er. Kurz darauf brachte ich ihm die quittierten Rechnungen der beiden letzten Wochen, aus denen einwandfrei hervorging, daß wir für die uns zustehenden Marken Wurst und Leberkäs bezogen hatten. Und nun geschah etwas Verblüffendes.
14 Behrend, Ich stand nicht allein
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