Freunde und Bekannten in Verbindung treten. Natürlich war ich bereit, mich dem zu fügen. Es war ganz klar, daß sie, die ein solches Risiko eingingen, das Recht hatten, Be­dingungen zu stellen. Tilla übergab mir meine Fahrkarte. ,, Ich bin vorhin noch bei Frau Dr. Weiß gewesen. Sie läßt dir sagen, du solltest den Rest deiner Sachen morgen dem Möbelauto mitgeben, das die Leute aus Milbertshofen mit ihrer Habe bringt. Der Spediteur wird deine Koffer dann zu ihr befördern, was nicht auffallen könne, da du ja Urlaub zu ihr bekommst. Von ihr aus ist es nicht schwer, sie später an Erna nach Berlin zu schicken. Du nimmst am Samstag­früh nur mit, was du leicht in der Hand tragen kannst. Es muß für alle im Heim so aussehen, als begäbest du dich zu Frau Dr. Weiß. Aber darüber wird sie morgen abend, wenn sie zu ihrer Sprechstunde kommt, noch mit dir reden. Und jetzt muß ich gehen, laß dir den Abschied nicht zu schwer werden! Ich werde erst wieder ruhig sein, wenn ich durch Eva erfahre, daß deine Reise gut verlaufen ist. Bei allen Reisen, die ich in diesen Wochen gemacht habe, sowohl bei der Hin- und Rückfahrt zum und vom Boden­ see , wie bei der Hin- und Herreise nach und von Berlin hatten wir Kontrolle im Zug durch Kriminalpolizei und Gestapo zur Prüfung der Personalausweise. Auf der Rück­fahrt von Berlin wurde ich sogar zweimal kontrolliert. Wie du da durchkommen wirst, ängstigt mich am meisten. Be­reite dich auf jeden Fall auf eine gute Ausrede vor, wes­halb du ohne Ausweis bist", schloß sie seufzend. Eine kurze Umarmung, ein fester Händedruck, und fort war sie! Lang­sam ging ich durch den Garten zurück ins Heim. War ich das wirklich, die diesen Plan durchführen wollte? Noch konnte ich es mir nicht vorstellen! Und wenn es miẞ­glückte? Siedend heiß schoẞ mir dieser Gedanke durch den Kopf. Ich dachte an die Zugkontrolle. Zeigte ich nicht ge­nügend Geistesgegenwart, so war ich verloren! Diese und viele andere Gedankengänge quälten mich bis zum Freitag­abend ständig. Meine Arbeit tat ich nur mechanisch.

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