war, führte ich erst einmal die Fortgehenden zum Essen hinunter. Ich hatte mit meinen Leuten besprochen, daß wir es ihnen so schön machen wollten wie möglich, und wir hatten zu diesem Zweck das feinste Geschirr herausgesucht, das ich aufbewahrte. Aber ich war nun selbst von dieser festlich gedeckten Tafel überrascht, die wir vorfanden. Meine Leute hatten sich selbst übertroffen. Auch das Essen war festlich, gut zubereitet und nett angerichtet. Die gedrückte Stimmung, in der sich die Armen nach den häßlichen Erlebnissen der letzten Stunden befanden, hob sich ein wenig, und sie wurde fast heiter, als ich ihnen sagte, daß wir eine Art Terrasse vor ihrem Zimmer für sie mit Liegestühlen und Sesseln hergerichtet und abgeteilt hatten, wo sie Sonne und Sommerluft am Nachmittag genießen konnten. Auch wegen der weggenommenen Sachen, die viele schwer vermißten, beruhigte ich sie; was nur zu beschaffen war, sollten sie wieder bekommen. Der übrige Tag verlief ohne Zwischenfälle, das Abendessen bildete eine freundlich- angenehme Abwechslung, der sich die fünfundzwanzig nun schon gern überließen. Ich schlug ihnen vor, früh zur Ruhe zu gehen, der Tag war nicht ohne Strapazen gewesen, und die kommenden würden deren noch mehr bringen. Das Morgenfrühstück hatte ich auf halb sieben Uhr angesetzt, damit alle es in Ruhe einnehmen konnten, ehe um halb acht Uhr das Auto kam. Ich selbst würde sie um halb sechs Uhr wecken. Ich bin am Morgen schon um vier Uhr aufgestanden, habe den großen Herd geheizt und diesmal den Tisch selbst gedeckt. Viele Insassen, von denen die meisten schon deportiert waren, hatten wunderschöne Tassen mitgebracht, es war leicht, mit diesem Geschirr und einer alten, herrlich gearbeiteten Kaffeedecke eine festliche Tafel herzurichten. Auch Blumen fehlten nicht, noch am Abend war ich bei der Gartenschwester gewesen und hatte mir nehmen dürfen, was ich brauchte. Im Einverständnis mit den Insassen hatte ich auf Mehlmarken Weißbrot besorgt, das ich nun aufröstete,
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