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auch Butter und verschiedene Konfitüre waren für diesen Zweck beschafft worden. Aber die größte Freude würden die Getränke bereiten: Bohnenkaffee war gestiftet worden, wer den nicht mochte, konnte zwischen echtem Tee und Kakao wählen, lauter schon fast sagenhafte Genüsse! Um fünf Uhr erschien mein Koch Dieter, und nun schafften wir gemeinsam. Die Heiminsassen, die nicht zur Arbeit sollten gingen ach, wie wenige waren es nur noch!-, heute erst nach der Abfahrt des Autos frühstücken. Alles wickelte sich programmgemäß ab, und die Stunde der Morgenmahlzeit mit den Fortgehenden, die die letzten vierundzwanzig Stunden zu einer einzigen großen Familie verbunden hatten, war wirklich ein kleines Fest. Auch die Festrede fehlte nicht. Roch, der Zimmerälteste, erhob sich und sprach ein paar Worte. ,, Lassen Sie uns diesen festlichen Beginn des Tages als ein gutes Omen nehmen", sagte er ,,, und zum Dank dafür gefaßt und starken Mutes in die unbekannte Ferne ziehen. In schweren Augenblicken wollen wir uns erinnern, wie man hier versucht hat, uns die letzten Stunden in der Heimat zu vergolden, so daß sie uns in die Zukunft leuchten werden, ein Trost und eine Hoffnung!" Kurz vor der angesetzten Abfahrtszeit erhoben sich alle und verabschiedeten sich von mir. Ein altes Mütterchen umarmte mich und flüsterte mir zu: ,, Lassen Sie sich wie einer Tochter, die Sie dem Alter nach sein könnten, den Segen von mir geben. Ich kann Ihnen nicht anders danken, als daß ich Ihnen verspreche, für Sie zu beten. Aber ich bin sicher, daß es Ihnen später gut gehen wird!" Als zur Abfahrt unser Vorsitzender erschien, war er überrascht von der Ruhe und Heiterkeit, mit der die Fortgehenden das Auto bestiegen.
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Mittags wurde ich ans Telephon gerufen. Als ich herüberkam, stand meine Freundin Eva vor mir. ,, Wir haben am Bodensee nichts erreicht", sagte sie nach der kurzen Begrüßung, aber Tilla hat eben aus Berlin angerufen, daß Erna und ihr Mann sich sofort bereit erklärt haben, dich
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