Worten, die stachen und mir wehtun sollten. Ich ärgerte mich über mich, daß ich meine Tränen vor ihnen nicht zu­rückhalten konnte. Und was sie mir alles genommen haben! Selbst einen Teil meiner Wäsche, die ich trug, und auch ein Kleid, das ich übergezogen hatte." Ich beruhigte sie, so gut ich konnte, und lief davon, um nachzusehen, ob ich ihr die genommenen Sachen nicht aus meinem Vorrat ergän­zen könnte. Aber ich fand nichts Passendes und beauftragte eine andere Frau, bei den Insassen darum zu bitten. Dann ging ich schnell wieder hinunter, ich mußte mich in der Nähe der Beamten halten und sollte gleichzeitig auf das Zimmer, in dem die Fortgehenden untergebracht waren und sich ständig aufzuhalten hatten, achten. Nach drei Stunden war die unangenehme Prozedur, die die fünfund­zwanzig Menschen über sich ergehen lassen mußten, vor­über. Der eine Gestapobeamte kam zu mir, erklärte mir, daß sie fertig seien, und gab mir Verhaltungsmaßregeln. ,, Sie haften uns für jeden einzelnen dieser fünfundzwanzig Leute", sagte er. ,, Sie müssen ständig bei ihnen sein oder sie einschließen. Zum Essen müssen Sie sie selbst hinunter­und auch wieder heraufführen. Haben Sie den Proviant für sie gerichtet?" Ich bejahte. ,, Sie müssen noch für eine Person mehr Reiseproviant vorbereiten", sagte er ,,, wir holen morgen auf dem Wege mit dem Auto noch den C. ab, der versucht hat, sich durch Flucht der Deportation, für die er schon vor Wochen eingeteilt war, zu entziehen. Wir haben ihn aber doch gefunden", schloß er mit einem tri­umphierenden Lachen. Ich erschrak. Er hatte den gleichen Namen genannt, den auch der Professor trug. Ich wußte, er hatte einen Bruder, nur um diesen konnte es sich han­deln. Der Arme! Später hörte ich dann von Frau Dr. Weiß, daß er sich seit einigen Wochen bei Freunden verborgen hatte. Aber ein Mitbewohner des Hauses war aufmerksam geworden und hatte die Gestapo benachrichtigt, die ihn dann bei einer Haussuchung fand. Als das Auto mit den Beamten fort und das Klostertor hinter ihnen geschlossen

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