nicht nach Polen . Ich machte ihn zum Zimmerältesten, welches Amt er auch willig übernahm. Bald darauf wurde mir die Ankunft der Gestapobeamten gemeldet, bestehend aus vier Männern und zwei Frauen. Ich zeigte ihnen die für die Arbeit vorbereiteten Räume. Aber sie zeigten wenig Interesse dafür, sondern wünschten das Stück Garten zu sehen, das uns die Klosterfrauen überlassen hatten, und von dem sie höchst befriedigt waren. ,, Lassen Sie uns Liegestühle herausschaffen und Ihren Hausmeister ein Fäẞchen Bier holen!" war die mich etwas verblüffende Anweisung, die ich erhielt. Wunderliche Welt! Drinnen im Hause die fünfundzwanzig Menschen, die ihrer Durchsuchung harrten, ehe sie von allem, was ihnen lieb war, Abschied nehmen mußten, hier im Garten die sechs unbekümmert lachenden und schwatzenden Beamten, die, ohne einen Gedanken an ihre Opfer zu verschwenden, nur daran dachten, wie sie es sich wohl sein lassen könnten! Hermann schleppte das Fäßchen Bier herbei, und bald konnten wir schon von weitem die vergnügt sich gehenlassenden Männer hören, hin und wieder unterbrochen von einem hellen Frauenlachen. Die beiden Frauen, jung und hübsch und gut gekleidet, machten mir einen sehr unangenehmen Eindruck. Daß sie sich mit den Männern draußen so laut und ungeniert vergnügten, verstärkte meine Abneigung noch. Erst gegen elf Uhr, als das Fäßchen bis zur Neige geleert war, gingen sie alle an ihre Arbeit. Sie faßten nicht gerade sanft zu, auch die Frauen hatte ich richtig eingeschätzt, sie behandelten unsere Leute entsetzlich schlecht. Sogar Frau Rosen, die Frau des Schwerkriegsbeschädigten, kam mit rotgeweinten Augen wieder aus dem Zimmer, in dem die Frauen amteten. ,, Ich mußte eine Leibesvisitation über mich ergehen lassen", berichtete sie mir ,,, aber das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn die Frauen nicht so häẞliche Reden dabei geführt hätten. Sie haben mich nicht angeredet, sondern ihre Befehle mir nur kurz zugeschrien und im übrigen zu einander über mich gesprochen, mit
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