wir einen Vorrat an Matratzen und Betten zurückbehalten, die uns nun zugute kamen. Als er fertig war, mußte ich denken: Das sah wahrlich anders und wohnlicher aus als die Holzwollesäcke im Barackenlager, auf denen wir kam­piert hatten! Allerdings hatten wir es auch unendlich viel leichter. Es ist ein Unterschied, für fünfundzwanzig Men­schen Unterkunft zu schaffen oder für achthundert! Aber unsere Vorbereitungen waren noch nicht beendet. Ein klei­nes Zimmer mußte für die Gestapo , zwei weitere für die getrennte Durchsuchung von Männern und Frauen und ein viertes für die Aufbewahrung des durchsuchten Gepäcks freigemacht, eventuell mit den verlangten Möbeln versehen werden. Aus unserem Heim traf es diesmal sechs Per­sonen, darunter wieder einen Schwerkriegsbeschädigten mit seiner Frau. Der Mann konnte sich ohne Hilfe überhaupt nicht fortbewegen. Mit einer rührenden Selbstverständlich­keit half ihm seine Frau, immer gleichmäßig heiter und freundlich, selbst nachdem Ostern ihre einzige Tochter, ein sechzehnjähriges Mädchen, mit den Lohhofern zusam­men deportiert worden war. Montagmittag war alles bereit, unser jetziger Vorsitzender kam heraus und überzeugte sich davon. Er erklärte mir, daß Dienstagfrüh die Fortgehenden gebracht und bald darauf die Beamten der Gestapo kom­men würden, um die üblichen Formalitäten vorzunehmen. Mittwochfrüh um halb acht Uhr sollte die Abfahrt mit ei­nem Autoomnibus nach Regensburg stattfinden, wo der ganze Transport zusammengestellt wurde.

Pünktlich am Dienstagfrüh trafen die für die Evakuie­rung Bestimmten ein, alle sichtlich angenehm überrascht von dem freundlich sich präsentierenden Zimmer, das sie für die letzten vierundzwanzig Stunden ihres Aufenthalts in ihrer Heimatstadt beherbergen sollte. Wieder fand ich einige Bekannte unter ihnen, darunter den ehemaligen Hausmeister Roch aus einem unserer Altersheime, einen jüngeren, tüchtigen und energischen Mann. Er war jü­discher Mischling, deshalb kam er nach Theresienstadt und

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