früh ins Heim zurückzukehren. Mittwoch nächster Woche geht die vorläufig letzte Deportation nach Theresienstadt von Bayern aus. Von München kommen fünfundzwanzig Personen fort. Milbertshofen ist in der Auflösung, deshalb müssen wir diesmal Berg am Laim als Sammellager neh­men. Das können wir aber nicht ohne Sie. Wir versprechen Ihnen, daß Sie nach der Deportation wieder in Urlaub gehen können, auch die Widenmayerstraße ist damit ein­verstanden. Freitag sollen die Milbertshofer nach Berg am Laim kommen. Von Samstag ab sind Sie dann wieder frei." Also wieder zurück, noch einmal die letzten Kräfte zu­sammennehmen! Frau Dr. Weiß tobte, als ich ihr eben über den Anruf berichtete. Aber ich beruhigte sie, ich weiß jetzt, daß ich diese Sache noch durchführen muß, und ich werde es schaffen!

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Berlin , Dienstag, den 18. August 1942 Es wird schwer sein, Dir alles der Reihe nach zu erzählen, aber ich will es versuchen. Ich kehrte am Samstag, dem 8. August, wieder ins Heim zurück. Ich hätte noch bis Sonntag bei Frau Dr. Weiß bleiben können, aber ich hatte keine Ruhe, und es war auch besser, daß ich eher ging. So konnte alles in Ruhe für die Deportation vorbereitet wer­den. Zunächst mußten wir einen Raum freimachen, in dem für fünfundzwanzig Menschen Unterkunft zu schaffen war. Ich wählte das große Zimmer im Erdgeschoß gegenüber dem Eingang, dessen Fenster zum Garten gingen, und das durch eine Glastür direkt mit diesem in Verbindung stand, eins der schönsten Zimmer, das uns im Anfang lange als Aufenthaltsraum gedient hatte. Wieder einmal bewährte sich Hermann, unser Hausmeister, als vorzügliche, uner­müdliche Arbeitskraft. Er schaffte Pritschen hinein, belegte sie mit Matratzen. Nach den vielen Deportationen hatten

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