mit ihr gemeinsam, ob nicht von dort aus der Weg über die Grenze möglich ist. Sollte das nicht der Fall sein, komme ich mit ihr zurück, und wir müssen dann etwas anderes finden."( Du weißt, es handelt sich um meine liebe alte Freundin aus der Studentenzeit, jetzt Studienrätin in einer mitteldeutschen Stadt. Sie ist uns immer besonders eng verbunden gewesen. Seit Du fort bist, kümmert sie sich noch mehr um mich. Nie unterläßt sie es, mich in ihren Ferien zu besuchen. Wir haben eine sehr rege Korrespon­denz, die von meiner Seite allerdings nur noch im Tele­grammstil geführt werden kann.) ,, Wenn Sie keinen Erfolg haben sollten", mischte sich Frau Dr. Weiß ein ,,, käme meines Erachtens nur Berlin als Aufenthalt in Frage. Haben Sie niemand dort, der Sie aufnehmen würde?" wandte sie sich an mich. Meine Berliner Freunde zogen im Geiste an mir vorüber. Wen durfte ich so stark belasten? Aber ich hatte ja noch eine Cousine dort. Sie bewohnte mit ihrem Mann ein kleines Haus am Rande der Stadt ganz allein. Sie hatten so gut wie keinen Verkehr, und es ging ihnen materiell recht gut. Bei ihnen war relativ geringe Gefahr. Schnell teilte ich den beiden gespannt Zuhorchen­den meine Ueberlegungen mit. ,, Gut", sagte Tilla abschlie­Bend ,,, wenn wir am Bodensee nicht weiterkommen, schicke ich Eva zu dir und fahre sofort selbst weiter nach Berlin zu deiner Cousine Erna und ihrem Mann und frage, ob sie dich aufnehmen wollen." Ich konnte ihr nicht danken, ich hoffe, sie verstand, was ich fühlte. Vorgestern früh ist sie gefahren. Was werden sie und Eva mir bringen?- Ich liege viel, aber rechte Ruhe kann ich doch nicht finden. Ich werde hier sehr verwöhnt und lasse es mir gefallen, ich habe keine Kraft, mich dagegen zu wehren. Und ich möchte ja auch gern ein bißchen kräftiger und gesünder werden, ich wiege nur noch neunzig Pfund.

So weit hatte ich geschrieben, da wurde ich ans Tele­phon gerufen. Der Inspektor der Gestapo war am Ap­parat. ,, Ich muß Sie bitten, morgen, spätestens übermorgen

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