G G

gegnete ich. ,, Frau Stern ist zur Deportation am Dienstag früh eingeteilt und darf das Heim nicht mehr verlassen. Beide Frauen waren verschwunden. ,, So, so, sie wird de­portiert", murmelte der Obersturmführer, und diese Aus­sicht schien ihn sichtlich zu beruhigen. Aber noch einmal drehte er sich zu mir um. ,, Bestellen Sie der Oberin, sie müsse die hintere Kirchentüre schließen lassen", und nun ging er wirklich zu seinem Auto, gefolgt von dem stummen Regierungsrat. Das Auto setzte sich in Bewegung, erleich­tert atmete ich auf. Ich traf Frau Stern weinend, mit ent­setzlich geschwollenem Gesicht. Ich brachte sie ins Arzt­zimmer und veranlaßte die Krankenschwester, ihr kühle Umschläge zu machen, aber noch lange nachher zitterten mir alle Glieder von der Aufregung.

München , Freitag, den 7. August 1942

Seit drei Tagen bin ich bei Frau Dr. Weiß, unserer Aerztin. Es ging mir so schlecht, daß sie Dienstag, ener­gisch wie sie ist, einfach an die Partei und die Gestapo telephonierte und erklärte, ich müsse sofort aus dem Heim weg, sie stehe sonst für nichts. Mein Herz macht nicht mehr mit, ich muß ständig Spritzen haben.

Ich hatte die letzten Tage im Heim auch das Kochen selbst übernehmen müssen, sowohl Frau Nehm wie Sieg­bert, unser junger Koch, waren deportiert worden. Erst nach Frau Dr. Weiß' Erklärung, daß sie mir jede Arbeit untersagt habe, wurde auf Veranlassung des Obersturm­führers aus Milbertshofen ein Koch, zwanzigjährig, ge­schickt. Und Frau Dr. Weiß setzte auch durch, daß ich sofort in ihr Häuschen beurlaubt wurde. Kurz ehe sie ge­kommen war, hatte man mir den Regierungsrat Schroth geschickt, der mir mitteilte, daß ich binnen kurzem meiner

198